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XXVI.Res.Korps: [4.Armee/OHL] „Da der unternommene Flankenstoß des XXIII. R.-K. [22.10.1914] nicht den beabsichtigten Erfolg brachte, so konnten auch die frontalen Angriffe Langemarck nicht zu Fall bringen In der Nacht zum 23. Oktober war der rechte Flügel der 51. Res.-Div. durch das R.-I.-R. 239 von der 52. Res.-Div. verstärkt. Es wurde hier eine Angriffskolonne unter dem Befehl des Generals von Wechmar gebildet, die aus dem R.-I.-R. 240, dem Res.-Jäg.-Batl. 23 und den neu zugeteilten 239ern nebst einigen Batterien des Res.-Feldartl.-Regt. 52 bestand. Westlich Poelcapelle griff der Feind in dieser Nacht dreimal mit starken Kräften an, wurde aber jedesmal mit blutigen Köpfen zurückgeschlagen. So konnte die neugebildete Angriffskolonnein der Dunkelheit sich aufstellen. Ihr befohlenes Ziel war, am frühen Morgen im Zusammenwirken mit dem linken Flügel des XXIII. Res.-Korps beiderseits der nördlich an Langemarck vorbeiführenden Bahnstrecke vorzustoßen. Aber es war in der Nacht nicht möglich gewesen, die in den letzten Kampftagen durcheinandergekommenen Verbände so schnell zu ordnen; erst bei Helligkeit gelang dieses und konnten die befohlenen Angriffsräume eingenommen werden. Leider klappte hierdurch die beabsichtigte Zusammenwirkung nicht, die 46. Res.-Div. brach schon beim Hellwerden südl. des Kortebeek zum Angriff vor, während die Gruppe Wechmar erst gegen 10,00 Uhr vorm. den Befehl zum Angriff geben konnte. Damit war der gegnerischen Artillerie die Möglichkeit gegeben, nacheinander die Angreifer unter konzentrisches Feuer zu nehmen Dementsprechend waren auch die Verluste. Bis an den Kortebeek beiderseits der Bahnlinie gelangten die Stürmenden; rasendes Schnellfeuer zwang sie hier zum Eingraben. Als am Nachmittag diese Stellung unter schweres feindliches Artilleriefeuer genommen wurde, hielten die stark geschwächten Linien nicht mehr stand. Erst gingen einzelne Teile, dann ging alles zurück. Auch der rechte Nachbar, die 46. Res.-Div. mußte unter diesen Umständen zum zweiten Male zurückgehen. Die Truppen hatten ihr Letztes hergegeben, die Verluste waren ganz enorm!“
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XXVI.Res.Korps: „Freitag, 23. 10. 14. An diesem Tage sollte die 51. R.-D. im Anschluß an die 46. R.-D. den Angriff auf Langemarck erneuern. Gegen 10 Uhr vorm. befahl General v. Wechmar das Vorgehen seiner Gefechtsgruppe. Jäg. 24 und 234 gingen aus Linie Magelaere-Koekuit, 239 beiderseits der Bahnlinie Staden-Boesinghe zum Angriff gegen Langemarck vor. Ein rasendes Feuer schlug den Stürmenden entgegen, ungeheure Verluste lichteten die Reihen und trieben die Überlebenden auf die Ausgangsstellungen bei Mangelaere, Koekuit und westlich Station Poelkappelle zurück. Ebenso führte das Vorgehen der südlichen Gruppe (236, 235 und 233) gegen Langemarck zu keinem Erfolg. Auch der Angriff der 46. R.-D. brach unter schweren Verlusten zusammen. Hätte sie 2 Tage früher zusammen mit der 51. R.-D. angegriffen, dann wäre wahrscheinlich der heißumkämpfte Eckpunkt der feindlichen Stellung, Langemarck, leichter zu nehmen gewesen. So konnte der Gegner die Divisionen nacheinader zerschlagen. Die 52. R.-D. verblieb am 23. in den Stellungen vom 22. und baute diese aus. Broodseinde wurde in der Nacht 22./23. an die 53. R.-D. übergeben. Nächtliche Angriffe gegen die Stellungen der 51. und 52. R.-D. wurden abgewiesen. So war der mit großen Hoffnungen begonnene Angriff der 4. Armee auf der ganzen Front ins Stocken geraten.“
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Res.Inf.Regt.239: [Dtm.Wechmar/XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] Verluste: =Oberstleutnant Walter Bronisch: geb. 28.10.1854 Cottbus; Stab/I.Batl./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Leutnant der Reserve Walter Guido, geb. 25.7.1879 Mannheim; 1.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Musketier Pius Moßmann, geb. 2.5.1892 in Tennenborn; 1.Komp./Res.Inf.Regt.239; gest. 23.10.1914 in französischer Gefangenschaft. =Musketier Theodor Schilling, geb. 8.2.1892 in Osterburken; 1.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Gravenstafel. =Musketier Paul Spröhnle, geb. 23.11.1892 in Haßmershausen; 1.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Musketier Xaver Zürn, geb. 25.2.1884 in Marbach; 1.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Paschendaele. =Gefreiter Otto Nix, geb. 22.5.1893 in Kirchheimbolanden; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Gefreiter Christian Rapp, geb. 4.9.1886 in Schlat; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Musketier Wilhelm Bär, geb. 19.9.1894 in Mannheim; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Oskar Reis, geb. 20.2.1886 in Käferthal; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Jakob Schlesmann, geb. 28.5.1893 in Sonderried; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Heinrich Viebrantz, geb. 1.4.1892 in Gülzow; 2.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Feldwebel Otto Flick, geb. 24.11.1883 in Kryszullen; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Unteroffizier Wilhelm Barber, geb. [?] in Mannheim; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Unteroffizier Karl Lier, geb. 10.9.1890 in Magdeburg; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Anton Bader, geb. 9.10.1894 in München; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Otto Brauch, geb. 17.4.1894 in Waldhof; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Gravenstafel. =Musketier Karl Eberle, geb. 31.5.1894 in Unter-Cochem; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Karl Ehmann, geb. 20.5.1894 in Wurmbach; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Musketier Mathias Erny, geb. 4.9.1894 in Seckenheim; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 vor Ypern. =Musketier Philipp Espenschied, geb. 26.1.1894 in Hoffenheim; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Ludwig Fillinger, geb. 7.9.1894 in Mannheim; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Alfred Fröbel, geb. 16.11.1892 in Starkenberg; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 Langemarck. =Musketier Karl Gärtner, geb. 5.6.1892 in Eiterbach; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Josef Hammel, geb. 17.3.1893 in Assamstädt; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. Musketier Friedrich Hennrich, geb. 25.8.1892 in Gaiberg; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. Musketier Josef Herig, geb. 8.5.1893 in Offenau; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Heinrich Pfeil, geb. 20.12.1894 in Schillingstadt; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Gravenstafel. Musketier Hermann Schmitt, geb. 29.11.1893 in Walldürn; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Karl Schuhbauer, geb. 30.3.1894 in Nürnberg; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. Musketier Franz Weiß, geb. 23.1.1892 in Rauenburg; 3.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Konrad Schröder, geb. 13.9.1894 in Weinheim; 4.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Arthur Wörner, geb. 2.5.1893 in Mannheim; 4.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Anselm Bachert, geb. 17.4.1892 in Hettingen; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Karl Burkhardt, geb. 9.1.1894 in Hemsbach; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Jakob Eberl, geb. 25.3.1892 in Blauberg; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. Musketier Emil Eckert, geb. 13.9.1887 in Strittberg; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Isidor Hailer, geb. 14.4.1893 in Herbolzheim; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Ernst Kreß, geb. 11.9.1892 in Mannheim; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Daniel Leiberich, geb. 10.7.1892 in Ketsch; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Max Levi, geb. 6.7.1894 in Sennfeld; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Karl Risser, geb. 24.1.1889 in Bühl; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Musketier Heinrich Spießer, geb. 6.1.1889 in Ostheim; 6.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Westroosebeke. =Gefreiter David Anstell, geb. 27.6.1885 in Land; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Wehrmann August Haitz, geb. 21.8.1883 in Vosscheuern; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Wehrmann Josef Huber, geb. 7.1.1883 in Hertel; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Georg Becker, geb. 4.5.1894 in Heidelberg; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Franz Bub, geb. 1.10.1893 in Mannheim; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Heinrich Kuhn, geb. 12.6.1894 in Adelsheim; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Gravenstafel. =Musketier Karl Mundelsee, geb. 17.7.1893 in Nußloch; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Wilhelm Trümmler, geb. 21.10.1891 in Köln-Mülheim; 9.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Gravenstafel. =Leutnant der [Reserve bzw. Landwehr] =Wilhelm Leis, geb. 29.7.1880 in Mannheim; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Gefreiter August Kimmig, geb. 19.12.1881 in Petersthal; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Alfons Geier, geb. 5.12.1894 in Götzingen; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Christian Hildbrand, geb. 23.3.1890 in Lehengericht; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Otto Hockenburger, geb. 19.4.1894 in Kirchhardt; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Karl Keil, geb. 2.11.1893 in Mannheim; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Josef Schwartz, geb. 8.10.1893 in Neudenau; 10.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 in Flandern. =Wehrmann Josef Seiler, geb. 11.7.1885 in Lauf; 11.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Josef Heck, geb. 18.5.1892 in Ballsbach; 11.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Georg Neidig, geb. 26.11.1892 in Vilchband; 11.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Karl Risch, geb. 18.4.1892 in Zuzenhausen; 11.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Karl Schäfer, geb. 2.6.1894 in Eberbach; 11.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Wilhelm Beier, geb. 7.4.1894 in Mahlberg; 12.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 vor Ypern. =Musketier Wilhelm Beyer, geb. 7.4.1894 in Mahlberg; 12.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Kerselaere. =Musketier Hermann Egner, geb. 31.10.1893 in Neckargertach; 12.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Christian Sailer, geb. 18.8.1895 in Mannheim; 12.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Langemarck. =Musketier Wilhelm Schweizer, geb. 15.4.1894 in Steinsfurth; 12.Komp./Res.Inf.Regt.239; gef. 23.10.1914 bei Paschendaele.
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Res.Jäg.Batl.24: [52.Res.Div./XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] „Durch den deutschen Stoß auf Bixschoote, das den Zugang zum Yserkanal bedeutete, schien die beginnende feindliche Offensive noch weiter ins Stocken zu geraten. Der Gegner hatte sofort das Bedrohliche dieser Bewegung erkannt. Darum legte er zunächst auf diese Stelle des drohenden Kanalüberganges das Feuer aller verfügbaren Batterien. Mit dem Erfolg, daß der deutsche Führer sich gezwungen sah, seine Truppen während der Nacht aus dem unter wahnsinnigen Artilleriefeuer liegenden brennenden Bixschoote herauszuziehen. Erkauft wird dieser Erfolg aber vom Gegner durch abermaligen Verzicht auf eine Vorwärtsbewegung östlich der Straße Zonnebeke — Langemarck, die, wie aus den Befehlen des englischen Oberkommandierenden hervorging, beabsichtigt war. Die östlich dieser Straße zwischen den Häusergruppen Goeberg und Wallemolen liegenden 24er Jäger hatten gegen Morgen des Dreiundzwanzigsten die am Abend vorher in Erwartung englischen Vorgehens begonnenen Schanzarbeiten beendet. Rings schwieg vorerst die Schlacht. Die nächtens in der Nähe in Flammen aufgegangenen Gehöfte waren niedergebrannt. Im Vorfeld herrschte Ruhe. „Da kam in der Dämmerung des Morgens der Befehl: Zug Reinhardt sucht mit zwei Gruppen nach Verwundeten, die in der Nacht um Hilfe riefen! Freiwillige vor! Wir gingen alle mit. Zunächst bis zum Gehöft, bei dem wir am Abend vorher aus nächster Nähe Kartätschenfeuer bekamen. Es lag voller Verwundeter. Wir meldeten es zurück. Dann Ausschwärmen nach links, immer in der Gefahr, vom nahen Feind erkannt zu werden. ,Hilfe, Hilfe,‘ klang es bald vor uns wimmernd über das Feld. Nicht einer, mindestens dreißig Verwundete lagen da, weit verstreut und jammerten, daß sie schon zwei Tage lägen. Wir taten, was wir konnten, gaben jedem Wasser und Brot.“ Sanitäter mußten sie holen, sie verlangten vorsichtigen Transport. Zwischen ihnen lagen die Toten vom Einundzwanzigsten, gräßlich verstümmelt und zerrissen. Hier war der Ort, wo die Regimenter wendeten. Als die Jäger zurückkehrten, standen hinter dem Haus unter den Obstbäumen plötzlich Geschütze. An den Gräben wurde wieder gearbeitet. Im Osten blinzelte der Tag über das ebene Land. Ein schöner Tag. Herbstlich bunte Farben rief die Sonne wach; spiegelte sich glitzernd in tauigem Gras. Vorsichtig lugten die Jäger über die Grabenbrüstung, unter der Hecke durch ins Vorgelände. Die Schlacht schlief noch. Nebel und Sonne rangen miteinander. Pappelreihen traten aus dem weißen Dunst klar hervor. Die Sonne begann zu wärmen. Wie das gut tat nach der kalten Oktobernacht! Und die Sonne siegte. Die Ebene voraus ward frei. Und der Blick faßte fragend am Horizont aufsteigende Höhenzüge im Westen. Karten her! Aber da stand nichts drauf von Höhen und Niederungen. Mählich fanden sie sich aber zurecht: Voraus in der Senkung die Pappelreihe, die knapp zweitausend Meter entfernt nordöstlich die Landschaft zerschnitt, mußte der Weg sein von Zonnebeke nach Langemarck. Je höher die Sonne stieg, desto sichtiger ward es. Außer jener Straße liefen alle Pappelreihen strahlenförmig nach einem Punkt. Beim klaren Hinsehen wuchsen dort, wo sie sich trafen, aus seinem silbrigen Dunst schlanke Türme. Dächer glänzten in der Morgensonne. Dort lag, kaum acht Kilometer entfernt, die Perle Westflanderns: Ypern. Ypern! Das war ihr Ziel. Wie oft ward sein Name schon genannt, und war ihnen Schall geblieben, ohne Vorstellung. Dort lag es nun im Licht der Morgensonne. Belfried und Dom ragten höher als alle anderen Zinnen. Flimmrig blitzte ein spiegelndes Fenster herüber. Lockte das nicht? Wie ein ferner Stern! Oder warnte die Sonne? ... Sieg ... oder ... Tod? Mancherlei Gedanken ziehen durchs Herz, ringen und rechnen mit dem morgenfrisch aufsteigenden „Heute“. Der keine Dahl lag im Gras neben dem Graben, die Arme unter dem Kopf verschränkt und träumte in den Himmel über ihm. Federwölkchen zogen langsam und leise gen Osten zu. Dazwischen ein Flieger... Tiefer kam er jetzt. Die Ringe unter seinen Schwingen leuchteten in der Sonne weithin. Unbeschossen zog er seine Kreise. Und sah, sah alles. Die schnelle Hand, die wütend zur Knarre fuhr, kehrte zurück. Wäre doch Kinderei gewesen, nach dem da oben zu knallen! Bald kam ohnedies der Feind; alles wartete ja schon. Doch die zeit rückte vor. Es wurde neun ... zehn Uhr. Noch immer griff der Feind nicht an. „Da, um elf Uhr hieß es: Der Feind greift nicht an, so greifen wir ihn an! ,Alles bereit machen!‘ Eßportionen wurden verteilt.Ich nahm mir mehr als vier Beutel Biskuits. Dann gingen wir auf die Straße und traten an. Kompanie reihte sich an Kompanie. Leise nur sprachen wir miteinander: Ruhe vor dem Sturm; keiner wagte, laut zu lachen. Von Ernst und Richard nahm ich Abschied.“ Neuer Befehl schob den Sturm um eine Stunde hinaus. Doch rechts seitwärts brach die Infanterie los, die der Befehl scheint’s nicht mehr erreicht. Ein Anblick, der das Herz aufjauchzen ließ, dies Vorpreschen der Kompanien aus den Gehöften von Wallemolen heraus über die Niederung des Strombeek hin. Wie auf dem Exerzierplatz gingen die Züge vor. Die Welle verschwand hinter Hecken und Büschen in der Richtung auf Kerselaere. Die Schlacht brüllte auf. Auch zur Batterie hinter den Jägergraben kamen die englischen Grüße. Gut gezielt.Mit ihnen zugleich der Befehl zum Angriff. Die Uhr zeigte Zwölfdreiviertel. In Kompaniekolonnen ging’s über das Feld, in gleicher Richtung wie die Straße. Der Strombeek wird übersprungen. In seiner Niederung war die Deckung vollendet. Die Schlacht ging drüber weg. Hundert bis zweihundert Meter waren die Züge auseinander. Der Hauptmann mit zwei Entfernungsschätzern voraus. Hinter einem Gehöft kurzer Halt. Oberjäger gingen vor zur Orientierung. Ein Artillerieleutnant mit zwei Kanonieren kam, den Telephondraht hinter sich her abwickelnd. „Daß mir keiner die Drähte durchschneidet!“ „Ausschwärmen!“ Heisa! Horridoh! Das Gelände stieg etwas. Unbedeutend, nur nicht hier in der Ebene. Hochragend krönt den Hügelrand voraus eine Mühle, sonnbeschienen, zur Seite hinter Hecken rote Häuser. Doodenmolen. Dort sitzt jetzt der Gegner. Am letzten Knick ein hastiges Verschnaufen. Hornruf gellt ... ruft: „Sturm!“ „Sprung! Auf, marsch, marsch!“ hinein in die Garbe des englischen Feuers. Kaum sind die ersten Züge aufs freie Feld hinaus, da setzt Schrapnellfeuer ein. „Von Deckung zu Deckung springend hasten wir vor. Echt flandrische Hecken halten uns auf. ,Leute mit Beilpicken vor!‘ Ich springe hin. Richard nimmt mir die Picke aus der Hand; haut drauf mit seinen Riesenkräften, daß die Stücke nur so fliegen. Wir können durch. Einzeln. So rasch wie möglich. Vor uns eine Wiese. Wieder heckenumsäumt. Ich liege hinter Ernst. Ein Baum deckt uns. Da pfeift es heran ... ssst ... sssst, haarscharf an uns vorbei durchs Gras. Lachend wälzt sich Ernst weg, und ich ihm nach. Wieder ... ssst ... sssst, von rechts her. Neben uns liegt schon ein Toter. Weiter nach vorn! Richard ruft mir noch zu: ,Lauf immer geduckt und such möglichst Deckung!‘ Ernst springt auf mit seiner Gruppe. Ich kann ihn und Richard nicht mehr sehen. Da ... ,Gruppe Georg: — Sprung! ... auf, marsch, marsch!‘ Mit einem Ruck schnellt die ganze Gruppe hoch. Ein tolles Feuer prasselt uns entgegen. Durch die Hecke durch! Das Gelände steigt weiter. ,Hinlegen!‘ Tiefatmend werfe ich mich hin. Verschnaufen! Ich sehe mich um: Einige liegen schon hinter uns still.. — Jetzt wieder ... ,Sprung!‘ ... Das Gewehr umkrampft rasen wir vor, mit stierem Blick. Links und rechts liegen einige Infanteristen, einer von ihnen in die Knie gesunken, den Oberkörper weit nach hinten gebeugt, die Hand in die Luft gekrallt. ,Hinlegen!‘Gott sei Dank, wir haben einen kleinen Graben erreicht. Rechts liegt das Gehöft mit der Windmühle vor uns. Von dort kommt das Feuer ... Sprung!“ Rücksichtslos werfen sich die Jäger vor. Ein zäher Gegner hält die Mühle. Durch Hecken und Zäune Schritt für Schritt ... vorwärts ... flaches Feld ... klirrend im streuenden Feuer englischer Maschinengewehre. Trotz Tod und Teufel. Ran! —Jugendtrotz wirft den Kopf in den Nacken, krallt die Faust um den Schaft des Gewehrs ... und stürmt. Und wirft den Gegner hinunter an den Zonnebeek. Aber der Tag kostet Blut. 2. „Haus und Mühle liegen rechts hinter uns. Wir drücken uns an die Erde, Mann für Mann. Sind untermischt mit Infanterie. Warten auf den nächsten Sprung ... Er bleibt aus. Herrgott, sollen wir hier liegen bleiben, auf freiem Feld? Nur vor! Da ... ssssssscht Krach! ... Keine drei Meter vor mir ist die Granate in die Reihe eingeschlagen, hat uns alle mit Erde überschmissen. Ich wühle mich heraus. Krach! ... Die Nächste. Eine nach der andern schlägt in unsre Reihen. Volltreffer, so dicht, wie wir liegen. Warum gehen wir nicht vor? ... Hier und da schreit einer auf. Das Feuer ist wie wahnsinnig. Da geht es von rechts los ... Taktakatak ... trrraaktakatak ... Scharf über dem Boden kommt die Saat des Maschinengewehrs. Dicht vor uns schlagen die Kugeln in den Boden. Mein Gefühl läßt mich um Haupteslänge zurückkriechen. Da kommt der Tod von neuem. Betsch ... betsch — schlägt’s ein. Mein Nebenmann schreit auf ..., springt in die Höhe. Tot. So liegen wir lange, lange. Ich kann nicht mehr denken. Eine Wut erfaßt mich. Da ruft es von links: , Kamerad, hilf mir!‘ Ich stoße den Toten weg. Jetzt bin ich beim andern. ,Meine Brust! ... Wirf den Dachs herunter!‘ Ich ziehe mein Messer, um liegend den Riemen zu durchschneiden. Die Klinge bricht ab. So geht’s nicht; ich richte mich auf, mit einem festen Schnitt der andern Klinge ist der Riemen durch. Ein Stoß, der Dachs fliegt herunter. Kugeln pfeifen vorbei. Peng! die Helmspitze ist weg. Der Kamerad atmet auf; er will zurück. Ich rufe ihm zu, ob er verrückt sei? Er springt auf, erreicht in hetzendem Lauf links eine Deckung. Da ist er sicher. Das Feuer rast weiter. Wir sehen kein Ziel. Noch steht der Sonnenball hoch am Himmel. Eine Stunde nach der andern verrinnt. Wir sind verurteilt zum Ausharren. Es ist furchtbar. Endlich: ,Sprung! auf, marsch, marsch!‘ Wir stürzen vor. ,Hinlegen!‘ Verschnaufen. Ich ringe nach Luft. Die Kehle ist wie zugepreßt. Die Augen brennen. Luft! Luft! ... Es geht wieder. Ssssssssscht! Krach! ... Zwei Volltreffer mitten in die Reihe! Mein Dachs fliegt mir auf den Kopf. Ich bin von Erde überhäuft. Schon wieder heult es heran. Und man kann sich nicht vom Fleck rühren! Ich höre Reden. Zwei Jäger rechts von mir sprechen miteinander. Ich horche hin. ,Hast du ihn gesehen? Er ritt querüber!‘ Ich rufe: ,Nach wem schießt ihr?‘ ,Hinter der feindlichen Front reiten Ordonnanzen!‘ ... Jetzt versteh ich. Ich fange auch an zu schießen. Visier Eintausendeinhundert. Es ist sehr weit. Aber nur schießen, schießen! Nicht untätig daliegen und harren. Wir schießen unaufhörlich ... Der Feind liegt keine hundertfünfzig Meter entfernt. Das Maschinengewehr hat aufgehört zu feuern. Nur noch Artilleriesalven kommen angeheult. Es dämmert.“ Die Gehöfte an der Mühle bieten Deckung. Dort sammelt sich ein Teil des Bataillons. An der Rückseite der Gebäude stehen die Jäger in Gruppen. Der Stab mitten unter ihnen mit dem Kommandeur. Durch die Hecken, die Hof und Obstgarten begrenzen, kommen immer noch einzelne angekrochen, mancher freilich muß draußen liegen bleiben, wo er liegt, auf dem flachen Feld. Jeder hat plötzlich einen Spaten, von zurückgehenden Verwundeten oder Toten abgenommen. Spaten! Wie hatte man den verachtet in den Tagen des Ausmarsches und sich, ihn zu tragen, gedrückt. Nur jeder zweite Mann bekam damals einen. Nun gehört er zum kostbarsten Besitz, nach dem jeder geizt. Die Dämmerung nimmt schnell zu. Gespenstig hebt sich der massige Bau der Mühle mit den greifenden Armen hart vor den Häusern in den matt erglühenden Westhimmel. In der Ebene gegen Ypern blitzt das Mündungsfeuer der Geschütze, lohen Brände durch den Abend. Auch die eigene Artillerie feiert heute nicht. Doch hat sie immer noch nicht genügend Munition. Drunten längs der Pappeln an der Straße Zonnebeke — Langemarck liegen englische Schützen. Wie St.Elmsflammen zuckt das Abschußfeuer ihrer Gewehre zwischen den Stämmen durch. Die Ebene brodelt in tausendfachem Knattern, dazwischen dröhnt das Geschütz. Die Jäger bekommen Befehl, nicht weiter vorzugehen, denn immer wieder versuchen sie es in ungestümem Vorwärtsdrang. Sie müssen gehorchen. Doch als links seitwärts in Richtung Gravenstavel von neuem das Sturmsignal durch die Dämmerung ruft und Nachbarbataillone zu frischem Vorwärtsstürmen treibt, da hält die Jäger keiner mehr. Durch die Hecken geht’s nach vorn; im Halbdunkel, stolpernd und fallend, unsicheren Schrittes, aber sicheren Herzens: Vor! Vor! In kurzer Zeit können sich die vordersten Jäger zwischen den dickköpfigen Weiden am Haanebek einnisten und die zerstreuten Gehöfte, aus denen ihnen das Feuer entgegenschlägt, aufs Korn nehmen. Der Gegner weicht hinter die Straße, von der sie wenig mehr als hundert Meter nur trennen. Vereinzelte Gruppen haben sich ihrer Stellung wegen dem Vorgehen nicht anschließen können. Während die Freunde schon drunten am Haanebeek ihre Büchsen im letzten Licht knallen lassen, liegt der kleine Dahl noch immer oben, hart an die Erde geschmiegt, fest. Bis die Nacht niedersinkt. „Schreie tönen übers Feld; Stöhnen. Stetig bricht die Nacht herein. Meine Nerven sind außer Rand und Band. Ich versuche aufzustehen. Noch pfeifen die Kugeln. Ich kann nur auf mein Gewehr gestützt gehen. Zwischen Toten und Verwundeten hindurch. Von rechts taucht der Gefreite Georg aus dem Dämmerlicht. Ich frage ihn, wo seine Gruppe ist. ,Alles tot! Wir beiden sind die einzigen, die noch leben!‘ Wir schreiten zusammen feindwärts. Da kommt Feldwebel Reize: ,Von welchem Zug?‘ fragt er. ,Vom zweiten!‘ geben wir die unmilitärische Antwort. ,Vom zweiten? Ihr seid die einzigen, die womöglich noch am Leben sind. Mein schöner zweiter Zug! Als ich zuletzt vorsprang, folgten noch einige, und die sah ich auch zusammenbrechen ...‘ Er weint ... Keine zehn Schritte vor uns liegt eine unbestimmbare Masse. Acht Leichen, zum Teil zur Unkenntlichkeit zerrissen. Ich stutze! Wahrhaftig — , da liegt Richard! Dieselbe Gestalt, dieselben Stiefel. Es muß Richard sein! Ich beuge mich herab, hebe das matte Haupt ... Entsetzen! ... das Gesicht fehlt. Nur die Schale des Hinterkopfes halte ich in meiner Hand. Betäubt lasse ich langsam, langsam sein Haupt sinken. Ich will ihm nicht weh tun, obwohl ich weiß, er ist tot. Ich erkläre es kurz Georg. Wir stehen stumm. Schmerzhaft arbeitet das Gehirn ... Du sollst gerächt werden! Soviel kann ich nur denken. Da wimmert es hinter uns. Ein paar Verwundete liegen hilflos. Behutsam heben wir sie auf Zeltbahnen und gehen langsam mit ihnen zurück. Zurück zu den Häusern an der Mühle. Dort müssen sie liegen bleiben. Wir holen einen nach dem andern. Und müssen dann endlich sehen, wo unsere Kompanie steckt. Wir suchen; in der Richtung auf den Feind. In halber Tiefe des leicht abfallenden Geländes stehen ungefähr zwanzig Jäger. Hier soll ein Grab ausgehoben werden.“ Vom Bach hat sie vor wenigen Minuten bestimmter Befehl zurückgezogen, um auf halber Höhe Linksanschluß an den Rest des Bataillons und die bis dahin vorgekommene Infanterie zu gewinnen. Jetzt heißt’s wieder: buddeln. Korn geht, als die Dunkelheit vollständig ist, eine Patrouille gegen die nahen Gehöfte. Eins scheint verlassen. Doch beim Näherkommen enteilen zwei dunkle Gestalten. Mann und Frau. Waffen in die Hand. Im Augenblick ist der Spuk verschwunden. Da schallen aus dem nächsten Gehöft französische Kommandos. Bisher lagen doch nur Briten gegenüber! Und nun französische Kommandos? Und zwar ganz deutlich. Mit Meldung zurück! ... Erst auf wenige Meter erkennt er die arbeitenden Kameraden. So dunkel ist die Nacht. Neuer Befehl zog den linken Flügel des Bataillons ganz auf die Höhe der Mühle zurück, während der rechte bedeutend näher am Bach liegen blieb, in großem Bogen vor einem Gehöft und Baumpflanzungen herumgreifend. „Also noch einmal zurück! In langsamem, müdem Schritt gingen wir den Hügel hinauf. Am Ende des schon begonnenen Grabens schanzten wir dort weiter. Langsam vertiefte sich die Rinne. Mitternacht war schon vorüber. Morgen mochte ein heißer Tag kommen. Über uns flimmerten die Sterne. Obwohl ich hundemüde war, ging ich den Graben entlang. Nachsehen, was Ernst macht. Ob er weiß, daß Richard fiel?... ,Liegt hier Ernst Dahl? Der Jäger Dahl I.?‘ Überall verneinende Antworten. Schon gab ich die Hoffnung auf, ihn hier oben zu finden, da sagte mir einer: ,Dein Bruder ist gefallen, ich sah ihn stürzen!‘ — Herrgott, auch Ernst tot! ... Die Tränen stürzen mir hervor. Der Schmerz übermannte mich; aber nur kurz. Vor Wut ballte ich die Fäuste: Das werde ich euch zahlen. Hinter dem Graben ging der Kommandeur mit seinen Offizieren her. Ich hörte, wie er sagte: ,Noch einen solchen Tag, und ich habe keine Leute mehr ... Mein armes Bataillon!‘” 3. Seit elf Uhr nachts lag der Hauptverbandsplatz der 52. Reserve-Division in Paschendaele. Er war überfüllt. Fast so wie vor zwei Nächten, als nach dem ersten Schlachttag fünfzehnhundert Mann durch die Sanitätskompanie verbunden werden mußten. Die Ärzte wußten nicht mehr aus noch ein vor Arbeit. Dazu diesmal vorwiegend schwere Verwundungen. Ein ums andere Mal zogen die Sanitätsmannschaften aus, einen Teil derer zu bergen, die hilflos unter den Sternen draußen auf dem Schlachtfeld schmachteten. — Wieviel Schmerz und Weh offenbarte nicht der scheu aufblitzende Schein der Taschenlampe! Welch Leid ließ nicht das Wimmern und Stöhnen ahnen, das aus dem Dunkeln kam. Die Krankenträger streiften das ganze Gebiet ab, das die Bataillone unter Tag stürmend durchmessen und lasen die Verwundeten behutsam auf. Nur bergen, bergen; so viele wie möglich; ehe der Tag kam und das Rettungswerk unterband. Unter schwerer Last keuchten die Träger nach Paschendaele hinauf, die geringste Steigung dünkte ein Berg. Und wwie lächerlich klein waren dabei in Wirklichkeit diese flandrischen Geländewellen gegen die heimatlichen Berge im Taunus und Odenwald! Und trotzdem: wie schwer mit solcher Last jeder Schritt! Und zu wissen, daß jede notwendige Bewegung dem armen Kameraden auf der Bahre neuen Schmerz wachrief! ... Vorsicht! Vorsicht! Bis zur Mühle suchten sie auf dem Feld und lasen auf, Mann um Mann, Thüringer Kinder, Söhne der badischen Lande, und um die Mühle die grünen Jäger mit der 24 auf den Achselklappen. Im Gehöft hatten sie ihren Hauptmann von der Zweiten liegen, kaum, daß sie ihn den Krankenträgern anvertrauen wollten. Es war ein schwerer Abschied. Mußte dochsein ... Vorsicht! Auf dem Feld hinter der Mühle knieten sie neben einer dunklen Gruppe am Boden. Kaum transportfähig war der Oberjäger noch; sein Kamerad daneben tot. Der Lichtschein fiel auf weiße Blätter, ein kleines Büchlein. Aus des Toten Waffenrock schien es gefallen; vielleicht daß die schwache Hand es hervorgezogen und nicht mehr hatte halten können. Der eine griff danach. „Kriegstagebuch“ und dann der Name. Ein junger Student. Nur wenige Blätter waren es ... Zuletzt kurz vor dem Sturm geschrieben: „ ...Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben mich zu scheiden vermag von der Liebe Gottes ...“ Keiner sprach; das Wort da redete lauter als die Schlacht ringsum ... Sie hoben den Verwundeten hoch. Der wandte noch einmal den Kopf; zu dem Toten. In seinen Schmerzen schwang etwas mit, von jenem Wort geweckt, irgendeine liebe Weise ... „Bleib du im ew’gen Leben, mein guter Kamerad“ ... Feuerschein! Kugeln pfiffen sofort über sie hin. Kriechend schoben sie die Bahre vor sich her. Als sie Paschendaele erreichten, gab’s manches Wiedersehn. Waren viele da von den Grünröcken. Und überhaupt ... Wer zählt die Wunden, nennt das Weh? Nur helfen, helfen! Da kommt plötzlich der Befehl: Der Hauptverbandsplatz ist sofort nach Pottegemsgood zurückzuverlegen! Wohin? Wo liegt das Nest? Zwei Kilometer von Paschendaele! — Befehl ist Befehl. Alle die Armen werden aufgepackt; es ist gegen sechs Uhr morgens [24.10.1914]. Die Sanitätskompanie tritt den Marsch nach Pottegemsgood an. Im kalten Morgengrauen. Die Verwundeten klappern mit den Zähnen vor Frost. Es dauert eine Stunde, bis sie hinkommen. Endlich winkt zwischen Bäumen das Ziel ... öde, rauchende Ruinen. Auf der Karte stand Schloß. Hier liegen Trümmer. Weiter in Gottes Namen! Wenn man nur mit den Verwundeten unter Dach und Fach käme. Auf elenden, verfahrenen Wegen schleppt sich die Sanitätsabteilung weiter. Bis zurück nach Moorslede. Eine lange traurige Karawane. Im ersten Morgenlicht beginnt die Arbeit von neuem: Helfen! Zur selben Zeit fliegt die Schule von Paschendaele unter den ersten Granaten, die den jungen Tag durchzischen, in Trümmer. In dieser Schule war in der Nacht der Hauptverbandsplatz gewesen.“
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| | 23.10.1914: |
Res.Kav.Abt.52: [52.Res.Div./XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] Rittmeister Rudolf Georg Binding, geb.13.8.1887 in Starnberg, gest. 4.8.1938 in Starnberg, Führer der Res.Kav.Abt.52, schreibt: „23. Oktober 1914. Fortschritte langsam, wenn man es Fortschritt nennen kann. Denn natürlich wird der kleinste Erfolg verzeichnet und begrüßt und ein Nachteil nicht an die Glocke gehängt. Schon ist alles nur noch Verwüstung. Brand überall. Tod überall. Ausgeraubte verödete Gehöfte. Gräber mit einem daraufgestülpten Helm, die Hügel in der weichen geschlemmten Erde des Landes oft mit den Händen festgemacht. Verwundete, die tagelang liegen, weil die Gefechte auch nachts fortgehen, hinüber und herüber. In den Gehöften zwar noch Hafer für die Pferde, aber wenig für die Menschen. Kein Öl in den Lampen, kein Licht, kein Salz, kein Brot. Die Dragoner verstehen eine Suppe mit Kartoffeln zu bereiten, die vortrefflich mundet da man hungert.“
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| | 23./24.10.1914: |
Res.Jäg.Batl.24: [52.Res.Div./XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] „Korn geht, als die Dunkelheit vollständig ist, eine Patrouille gegen die nahen Gehöfte. Eins scheint verlassen. Doch beim Näherkommen enteilen zwei dunkle Gestalten. Mann und Frau. Waffen in die Hand. Im Augenblick ist der Spuk verschwunden. Da schallen aus dem nächsten Gehöft französische Kommandos. Bisher lagen doch nur Briten gegenüber! Und nun französische Kommandos? Und zwar ganz deutlich. Mit Meldung zurück! ... Erst auf wenige Meter erkennt er die arbeitenden Kameraden. So dunkel ist die Nacht. Neuer Befehl zog den linken Flügel des Bataillons ganz auf die Höhe der Mühle zurück, während der rechte bedeutend näher am Bach liegen blieb, in großem Bogen vor einem Gehöft und Baumpflanzungen herumgreifend. „Also noch einmal zurück! In langsamem, müdem Schritt gingen wir den Hügel hinauf. Am Ende des schon begonnenen Grabens schanzten wir dort weiter. Langsam vertiefte sich die Rinne. Mitternacht [23./24.10.1914] war schon vorüber. — Morgen mochte ein heißer Tag kommen. Über uns flimmerten die Sterne. Obwohl ich hundemüde war, ging ich den Graben entlang. Nachsehen, was Ernst macht. Ob er weiß, daß Richard fiel?... ,Liegt hier Ernst Dahl? Der Jäger Dahl I.?‘ Überall verneinende Antworten. Schon gab ich die Hoffnung auf, ihn hier oben zu finden, da sagte mir einer: ,Dein Bruder ist gefallen, ich sah ihn stürzen!‘ — Herrgott, auch Ernst tot! ... Die Tränen stürzen mir hervor. Der Schmerz übermannte mich; aber nur kurz. Vor Wut ballte ich die Fäuste: Das werde ich euch zahlen. Hinter dem Graben ging der Kommandeur mit seinen Offizieren her. Ich hörte, wie er sagte: ,Noch einen solchen Tag, und ich habe keine Leute mehr ... Mein armes Bataillon!‘”
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| | 23./24.10.1914: |
Res.San.Komp.52: [52.Res.Div.XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] „Seit elf Uhr nachts lag der Hauptverbandsplatz der 52. Reserve-Division in Paschendaele. Er war überfüllt. Fast so wie vor zwei Nächten, als nach dem ersten Schlachttag fünfzehnhundert Mann durch die Sanitätskompanie verbunden werden mußten. Die Ärzte wußten nicht mehr aus noch ein vor Arbeit. Dazu diesmal vorwiegend schwere Verwundungen. Ein ums andere Mal zogen die Sanitätsmannschaften aus, einen Teil derer zu bergen, die hilflos unter den Sternen draußen auf dem Schlachtfeld schmachteten. — Wieviel Schmerz und Weh offenbarte nicht der scheu aufblitzende Schein der Taschenlampe! Welch Leid ließ nicht das Wimmern und Stöhnen ahnen, das aus dem Dunkeln kam. Die Krankenträger streiften das ganze Gebiet ab, das die Bataillone unter Tag stürmend durchmessen und lasen die Verwundeten behutsam auf. Nur bergen, bergen; so viele wie möglich; ehe der Tag kam und das Rettungswerk unterband. Unter schwerer Last keuchten die Träger nach Paschendaele hinauf, die geringste Steigung dünkte ein Berg. Und wwie lächerlich klein waren dabei in Wirklichkeit diese flandrischen Geländewellen gegen die heimatlichen Berge im Taunus und Odenwald! Und trotzdem: wie schwer mit solcher Last jeder Schritt! Und zu wissen, daß jede notwendige Bewegung dem armen Kameraden auf der Bahre neuen Schmerz wachrief! ... Vorsicht! Vorsicht! Bis zur Mühle suchten sie auf dem Feld und lasen auf, Mann um Mann, Thüringer Kinder, Söhne der badischen Lande, und um die Mühle die grünen Jäger mit der 24 auf den Achselklappen. Im Gehöft hatten sie ihren Hauptmann von der Zweiten liegen, kaum, daß sie ihn den Krankenträgern anvertrauen wollten. Es war ein schwerer Abschied. Mußte dochsein ... Vorsicht! Auf dem Feld hinter der Mühle knieten sie neben einer dunklen Gruppe am Boden. Kaum transportfähig war der Oberjäger noch; sein Kamerad daneben tot. Der Lichtschein fiel auf weiße Blätter, ein kleines Büchlein. Aus des Toten Waffenrock schien es gefallen; vielleicht daß die schwache Hand es hervorgezogen und nicht mehr hatte halten können. Der eine griff danach. „Kriegstagebuch“ und dann der Name. Ein junger Student. Nur wenige Blätter waren es ... Zuletzt kurz vor dem Sturm geschrieben: „ ...Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben mich zu scheiden vermag von der Liebe Gottes ...“ Keiner sprach; das Wort da redete lauter als die Schlacht ringsum ... Sie hoben den Verwundeten hoch. Der wandte noch einmal den Kopf; zu dem Toten. In seinen Schmerzen schwang etwas mit, von jenem Wort geweckt, irgendeine liebe Weise ... „Bleib du im ew’gen Leben, mein guter Kamerad“ ... Feuerschein! Kugeln pfiffen sofort über sie hin. Kriechend schoben sie die Bahre vor sich her. Als sie Paschendaele erreichten, gab’s manches Wiedersehn. Waren viele da von den Grünröcken. Und überhaupt ... Wer zählt die Wunden, nennt das Weh? Nur helfen, helfen!“
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| | 24.10.1914: |
XXVI.Res.Korps: „Samstag, 24. 10. 14. Die 51. R.-D. sollte ihre Stellungen halten, die 52. R.-D. den Angriff der 53. R.-D. auf Broodseinde-Zonnebeke unterstützen. Da diese nicht angriff, verblieb auch die 52. R.-D. in ihren Stellungen. R. 239 wurde wieder als Korpsreserve herausgezogen und wurde beauftragt, halbwegs Westroosebeke-Poelkappelle eine rückwärtige Stellung anzulegen, um hier einen etwaigen Durchbruch des Gegners aufzufangen.Noch in der Nacht wurde aber 239 nach Paschendaele als Reserve der 52. R.-D. in Marsch gesetzt.“
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| | 24.10.1914: |
Res.Jäg.Batl.24: [52.Res.Div./XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] „Im ganzen Kampfgebiet östlich Ypern hatten die Stürme des 23. Oktober die Front beträchtlich nach vorn geschoben. Sturm lautete die Losung auf der ganzen Front der Armee. Vom Norden, wo der Yserkanal westlich Leeke stürmend überschritten ward, über Dixmuiden, Bixschoote, Langemarck, Poelkapelle, wo der Tag beträchtlich Raum schaffte, bis zum Polygonwald hinunter, wo die Hauptstöße am 24. früh erfolgten. Mit erbitterter Wucht ward der Engländer in seinen Verhauen gepackt. Gefangene wurden eingebracht. Aber auch der Angreifer hatte überall starke Verluste. Wie in jenen Tagen blutiger Stürme ständig. Aber die jungen Regimenter stürmten. Fluteten zurück und stürmten wieder. Der heiße Atem jener Tage ließ keinen der Tausende zur Besinnung kommen. Hart nebeneinander, unvermittelt, unverkraftet standen die Eindrücke erlebten Grauens und erlebten Siegs und gaben den Herzen die düstere und heldenhafte Stimmung, mit der Mann um Mann die Pflicht der Stunde faßte: Not will Opfer. So schritten sie von Sturm zu Sturm in heldischem Opfergang. Und schlossen die Bresche in Flandern. Freilich waren die Kräfte der Armeen nicht stark genug, die taktische Aufgabe der Verteidigung Belgiens durch eine strategische Offensive gegen Calais zu lösen. Dazu fehlte ihr die Zahl. Nahezu sämtliche Regimenter der Division lagen in der Feuerlinie. Von Reserven war keine Rede. Dazu kam ein peinlicher Mangel an Artillerie und Geschützmunition. Fünf Tage stand die junge Armee im Feuer, ohne die Möglichkeit, irgendwelche ihrer Verbände auch nur vorübergehend zum Atemholen aus der Feuerlinie zu ziehen. Dünne Linien bildeten die Front. Lange Etappen führten durch das feindliche Land. Aber diese dünnen Linien haben die Bresche geschlossen. Lebende wie Tote. — „Opfer schafft Adel.“ Der Lebenden aber wartete neue Not. Im Gegenstoß des Feindes.“
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| | 24.10.1914: |
Res.Jäg.Batl.24: [52.Res.Div./XXVI.Res.Korps/4.Armee/OHL] „Die Meinungen im englischen Hauptquartier waren geteilt. Es gab noch immer Zögernde, die rieten, mit dem Gegenstoß zu warten, bis die erwartete 8. französische Armee d’Urbal vollzählig da sei, damit nicht nur die deutsche Linie durchbrochen werde, sondern noch Kraft blieb zu tiefem Vorstoß in das besetzte Belgien. Dagegen machten die anderen geltend, daß der deutsche Druck um Ypern nachgerade durch die Erfolge der letzten Tage so störend sei, daß jede weitere Verstärkung desselben die eigene Entschlußfreiheit zu beeinträchtigen drohe. Wenn es den Deutschen gelinge, die gelichteten Bestände ihrer flandrischen Regimenter durch beschleunigten Antransport von Reservetruppen zu stärken, worüber bereits Fliegermeldungen vorlagen — dann sei es vielleicht zum Angriff zu spät. Darum zufassen! French gab den Ausschlag: „Meine Herren! Wir greifen unverzüglich an, und zwar so, daß der Gegner vollständig überrannt wird. Wir hätten nur dann zu wenig Truppen dazu, wenn wir sie an verschiedenen Punkten einzusetzen gezwungen wären. Können wir sie an einem Punkt konzentrieren, so genügen sie. Dieser Brennpunkt der Schlacht ist aber Ypern. Denn, meine Herren, da oben in den Poldern zwischen Newport und Dixmuiden bis nach Bixschoote hin ist letzten Endes das Vordringen des Gegners, auch wenn es sich wie heute um eine ganze Division handelt, die den Kanal überschritt, ohne strategische Bedeutung. Wir können ihm jederzeit durch Überschwemmung der Kanalgebiete ein unüberwindliches Ziel setzen. Vor Ypern aber endet die Tiefenlage des Bodens, die uns jenes Kampfmittel der Überschwemmung im Notfall an die Hand geben kann. Darum liegt hier der Punkt, an dem sich die Schlacht entscheidet. Ypern ist das Sprungbrett unserer Offensive. Die ganze 8. französische Armee wird also dorthin geleitet, jeder ausgeladene Truppenteil ist unverzüglich auf der Linie Ypern — Zonnebeke und Ypern — St.Julien anzusetzen. Wir müssen durch die dünnen deutschen Linien durch. Noch eins, meine Herren! Unser Bundesgenosse ist nicht nur die verringerte Zahl des Feindes, sondern seine mangelnde Munition. Seit der Kampf entbrannt ist, haben wir noch kaum an einer Stelle mit einer ernsten artilleristischen Gegenwirkung des Feindes zu tun gehabt. Artilleristisch die Unbedingt Überlegenen sind wir. Das gilt es entscheidend zu nützen. Wir haben zwar die Erfahrung gemacht, daß sich die jungen Formationen des Gegners schlagen wie Helden. Immerhin sind die jungen Regimenter kampfungewohnt. Durch eine Massierung unseres Artilleriefeuers werden wir sie erschüttern können. Lassen Sie deshalb das unbedingte Gewicht auf Zielwirkung und auf moralische Wirkung legen. Denn von jetzt an, meine Herren, haben wir dem Gegner die Gesetze seines Handelns vorzuschreiben. Unsere Offensive beginnt. Sie wissen selbst, daß sie rücksichtslos sein muß. In längstens vierundzwanzig Stunden sind wir schlagbereit! Ich danke Ihnen ...“ Die Straßen von Ypern nach St.Julien und Zonnebeke klirrten in der Nacht zum Fünfundzwanzigsten von Waffenlärm. Jeder der kleinen Orte längs der Straßen, St.Jean, Wieltje, St.Julien bis nach Kerselaere hin, Freezenborg und Zonnebeke war ein kleines Heerlager. Batterien rasselten nordwärts und ostwärts, schwere Schiffsgeschütze knarrten durch die Nacht auf Motorwagen und verschwanden im Gehölz von St.Julien ... Das XIX. französische Korps bezog die Stellungen, die bis dahin die Engländer innegehabt. Die Front von Zonnebeke bis hinauf nach Langemarck wurde französisch. Aktive Truppen besetzten die Gräben. Wenigstens für einen Tag, denn dann, dann ging’s vorwärts ... en avant nach Brüssel ... an den Rhein ... Sie waren die ersten, und hinter ihnen kam die ganze 8. Armee, kam ganz Frankreich ... Oh, die Boches sollten sich umsehn ... Was gegenüberläge, etwa Bayern? ... Wie? Kriegsfreiwillige? ... Studentlein oder halbe Krüppel ..., die man im Frieden nicht zur Waffe gesteckt hatte wegen allgemeiner Körperschwäche ... Haha! ... On les aura! Die stecken wir in die Tasche ... Die Engländer sagten nichts.“
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