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Ein Projekt von Malte Znaniecki
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11.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: [1.Garde-Inf.Brig./Garde-Div.Winckler/Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] „Der in der Nacht zum 11. November ausgegebene Angriffsbefehl ordnete an: Die 1.GIB. stößt in nordwestlicher Richtung vor. Rechter Flügel, 3. G.R., geht an der Südwestecke des Polygonveldwaldes vorbei. Gefechtsstreifen des Regiments rechts Ferme Pottyn - an der Ferme Ferbecke vorbei - gegen die Südwestkante des Nonneboschen, linker Flügel am Nordrand des Herithagewaldes vorbei. Die 4. G.I.B. hatte einen mehr westlich gerichteten Streifen, daher klafften beide auseinander. In diese Lücke sollte später ein Bataillon der Div.Res. (Franz) eingesetzt werden. Die Führung nahm an, daß die vordere Stellung des Gegners eine nur schwach besetzte Vorstellung sei. Von 70 sollte die Artillerie wirken, die ihr Feuer zwischen 9 - 100 zu größter Wirkung zu steigern hatte. Nach verglichenen Uhren war dann um Punkt 10 Uhr zum Sturm anzutreten. Dieser Angriffsbefehl trug den Keim zum Mißlingen des Sturms in sich. Der Angriffsstreifen war zu breit, die Angriffsartillerie zu schwach. Sie hatte keine genügende Kenntnis von der Aufstellung der feindlichen Batterien, konnte deshalb diese auch nicht während des Sturms niederhalten. Die Streifen divergierten, anstatt zu convergieren. Es fehlte schließlich die genügende Tiefengliederung. Der Regimentskommandeur besprach mit den Adjutanten nachts den Angriffsbefehl. Der anbrechende Tag zeigte dichten Nebel, der sich bei immer stärker werdendem Artilleriefeuer hob. Der Regimentskommandeur ging in den Graben des II. Es war eine stolze Freude zu sehen, wie gehobener Stimmung unsere tapferen Jungens waren. Während das Artilleriefeuer ohrenbetäubend raste und gelbgrüne englische Lyddit-Granaten vor und hinter dem Graben einschlugen, große Sandfontainen gen Himmel aufwerfend, standen die Leute, gemächlich die Pfeife rauchend, auf dem Grabenrand! Sie rollten ihre Mäntel, schliffen die Seitengewehre und prüften, ob die Dinger für den kommenden Nahkampf auch fest auf der Knarre säßen! Immer wieder mußten die Führer ermahnen, sich nicht unnötig der Sicht und dem Feuer des Feindes auszusetzen. Einen Offizier, den Lt. v. Spiegel, hatte der Übermut schon gekostet. Indessen rückte der Zeiger immer näher der 10. Stunde. Das eigene Feuer wütet in großer Stärke, das feindliche läßt nach. In den Gräben harrt alles sturmbereit, die Sturmriemen herunter, den gerollten Mantel um den Leib, das treue Gewehr in nerviger Faust und den Blick auf den Führer geheftet. Noch 10 Minuten, noch 5 Minuten, dann hämmern unsere 6 Maschinengewehre los und kämmen über die feindliche Brustwehr weg. Noch 1 Minute, ein Händedruck dem lieben Kameraden, der Säbel blitzt in der Rechten: „Marsch, Marsch“ und vorwärts stürzen die braven Grenadiere. Lb. und 4. [Komp.] nehmen die erste gut besetzte englische Stellung, die Besatzung wird niedergemacht und gegen den nächsten Graben vorgegangen. Auch er wird genommen. Da flieht aus dem 3. die Besatzung vor den stürmenden Angreifern. Ein Teil wird nun durch starkes Flankenfeuer von rechts und links abgelenkt und wendet sich gegen den dicht besetzten Nonnebosch und links gegen das weiße Schloß im Herithagewald, wo der Führer der Leib-Komp., Hptm. v. Hahnke, fällt. Nur schwache Teile stoßen geradeaus weiter vor. Die Kompagnien zweiter Linie gehen über die gewonnenen Gräben vor, bekommen heftiges Flankenfeuer von rechts und wenden sich gegen die stark verdrahtete Ferme Ferbecke. Aber die Ferme ist nicht sturmreif, man muß sich eingraben, ebenso wie der Nachbar. Auch von diesen Kompagnien sind nur wenige hinter der tapferen Leib-Komp. hergestürzt und haben ihr Unterstützung gebracht. Das II., gegen welches sich das Hauptartilleriefeuer des Gegners wendet, verliert schon beim Vorgehen über die Sturmausgangsstellung des I. seinen Stab, alle Offiziere und fast alle Zugführer. So kommt es, daß die führerlosen Linien in dem Gartengelände die Front verwerfen und in das 3.G.R. einschwärmen, ja zum Teil bis nach dem Polygonveldwald nach rechts gelangen, gegen den der Zug des Fähnr. v. Basse besonders tapfer vorgeht. Das Batl. der Div.Res. (Bersen) vom Franz-Regt. hat beim Abstiege der Höhe von Gheluveldt gleichfalls schwere Verluste und bringt nur noch wenige Lebende in die vordere Linie. So muß, da den Angreifern keine Verstärkung zugeführt wird, der Sturm vor der 3. englischen Linie zum Stehen kommen. Die einzelnen Gruppen graben sich ein. Nur die südl. des Nonnebosch durchgebrochenen Teile des I. gehen unentwegt weiter. Sie stürzen sich mit Hurra auf geschlossene französische Kompagnien, die aus Ypern zur Hilfe heraneilten, überraschen andere bei der Ausgabe der Patronen am Patronenwagen durch Feuerüberfall. Sie sind tatsächlich durchgebrochen und nur wenige Kilometer von Ypern noch entfernt. Wenn der Regimentskommandeur auch sein Füs.Batl. zur Verfügung gehabt hätte, wäre der Durchbruch wohl geglückt. So konnten sich die braven Sempertalis-Grenadiere jedoch nicht halten. Gegen Abend mußten die letzten, meist schon verwundet, sich aus Munitionsmangel, nach vergeblichem Durchbruchsversuch nach rückwärts, ergeben. Viele von ihnen haben an diesem Tage ihre Treue mit dem Tode bezahlt und den ihrem Regimentschef geleisteten Fahneneid mit dem Leben eingelöst. Selbst der Feind, dessen Presse damals noch nicht durch einen Nothcliff verpestet war, und Ehrlichkeit sich gewahrt hatte, mußte eingestehen, daß die preußische Garde, getreu ihrer Tradition, den Helden von St. Privat gleich, vorgestürmt sei. Rechts lag das 3. G.R. zwischen Polygonwald und Ferme Ferbeck fest, links war Regiment Franz in den Wald eingedrungen und hatte nach schweren Einzelkämpfen und Gegenstößen sich eingegraben. Es gelang bis zum Abend eine, wenn auch sehr dünne, immerhin durchlaufende Linie herzustellen, die rechts und links Anschluß hatte. Major v. Goerne übernahm das Kommando in vorderster Linie, die rechte Hälfte Hauptmann v. Weiher. Nachts wurde endlich das Füs.Batl. dem Regiment als Rückhalt zur Verfügung gestellt. Es rückte in die Gräben bei Veldhoek. Eine grausige Nacht folgt. Keiner, der sie in vorderer Linie erlebt hat, wird sie je vergessen. Sturm weht aus West und peitscht auf die nach der Erregung des Tages in ihren Wasserlöchern vor Kälte zitternden Grenadiere erbarmungslos Regen und Schnee hernieder. Dabei blitzt und donnert es, als ob die Seelen der Gefallenen im Himmel weiterfechten. Das feindliche Infanteriefeuer streicht von allen Seiten über die Gräben und verhindert, daß man den Verwundeten überall Hilfe bringen, geschweige denn sie bergen kann. Die Sorge um ihr Geschick und um die vielen gefallenen und vermißten Kameraden legt sich wie eine bleierne Last auf die wenigen Kampfbereiten. Aber trotz allem, wie am Tage ist auch jetzt nach dem Angriff die Haltung der Leute mustergültig. Sofort beginnt ein lebhafter Patrouillengang, sowohl gegen den Feind, wie zum Absuchen der vielen Gräben nach Verwundeten. Feldwebel Mazur von der 4. Komp., der für seine unerschrockenen Erkundungen am Petit Morin bereits als erster Unteroffizier des Regiments mit dem E. K. I. ausgezeichnet worden war, und der Gefreite Quade von der Leib-Komp. zeichneten sich unter vielen anderen durch besondere Tapferkeit aus. Letzterer brachte allein einen so großen Haufen Engländer zurück, daß die eigene Linie schon an einen Angriff glaubte und eben das Feuer eröffnen wollte, als sie dahinter den siegesfrohen Gefreiten sein Gewehr schwenken sah. Das E. K. I. aus der Hand seines Königs am Weihnachtstage belohnte diesen tapferen Soldaten. Ebenso muß die glänzende Haltung der Krankenträger der Kompagnien, die unermüdlich in dem schweren Feuer Verwundete zurückschafften, und die der Störungssucher der Fernsprechtrupps besonders erwähnt werden.“

11.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: [1.Garde-Inf.Brig./Garde-Div.Winckler/Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] Verluste: ?Hauptmann von Hahnke: Kommandiert beim Generalstab. Hauptmann und Kompaniechef der 1.(Lb.)Komp./1.Garde-Regt.z.F. Seit 11.11.1914 bei Ypern vermißt. =Hauptmann von Helldorff: Brigadeadjutant der 1.Garde-Inf.Brig. <Unif. d. 1.G.R.z.F.> Am 11.11.1914 beim 1.Garde-Regt.z.F. bei Gheluvelt gefallen. =Hauptmann von Stutterheim: Hauptmann und Kompaniechef der 7.Komp./1.Garde-Regt.z.F. Am 11.11.1914 bei Ypern gefallen. =Oberleutnant von Busje <vorm. Garde-Füs.Regt.> Letzte Dienststellung während des Krieges beim 1.Garde-Regt.z.F. Am 11.11.1914 bei Ypern gefallen. =Leutnant Freiherr von Kettler: Leutnant und Bataillonsadjutant des II.Batl./1.Garde-Regt.z.F. Am 11.11.1914 bei Ypern gefallen. =Leutnant Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim: Leutnant im 1.Garde-Regt.z.F. Am 11.11.1914 bei Ypern infolge Unachtsamkeit gegenüber dem Gegner gefallen.

11.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: [1.Garde-Inf.Brig./Garde-Div.Winckler/Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] 4.Komp./1.Garde-Regt.z.F.: Unteroffizier der Reserve Karl Willnitz <vorm. Führer der 1. Gruppe des 1. Zuges der 9.Komp./1.Garde-Regt.z.F.>, 4.Komp./1.Garde-Regt.z.F., erinnert sich: „Ypern. [...] „Wiederum ist es Nacht geworden. Im stillen hoffen wir, schlafen zu können. Irrtum. Jeden Graben müssen wir so herrichten, daß er die größtmöglichste Deckung für alle Insassen gewährt. Spaten und Hacken sind in ununterbrochener Tätigkeit. Keiner ist unter uns, der nicht längst begriffen hat, wie wichtig das Schanzen in der Nacht für sein Leben sich auswirken kann. Keiner, der sich drückt und lieber ein paar Schwielen in Kauf nimmt, als daß er sich sagen lassen muß, er habe keinen Kameradschaftsgeist besessen. Denn Kameraden sind wir hier draußen auf Tod und Verderb. Wer Einzelgänger wird, ist erledigt, ist ein Halm im Winde, den schon der erste Hauch über den Haufen weht. Das Vor- und Zurückkriechen anderer Ablösungen hält die ganze Nacht an. Wasser- und Essenträger erscheinen, Munitionsfritzen kommen keuchend angelaufen und werfen den so wichtigen Bedarf uns zu. Es ist ein Betrieb, wie wir ihn uns nie vorgestellt haben, und wohl nur dadurch begründet, daß nachts das Artilleriefeuer etwas schwächer geworden ist. In den frühesten Morgenstunden sind alle Stellungen neu besetzt. Auch ist schon eine Meldung eingetroffen, die uns freut. Die von uns abgelösten und so schwer mitgenommenen jungen Regimenter haben sich gut in Sicherheit gebracht. Der von mir abgelöste Vizefeldwebel der 26er Jäger hinterließ mir seine „Kriegskarte“. Das ist so recht ein Museumsstück für spätere Geschlechter. Fünf Blätter einer Spielkarte hat er zusammengeheftet. Weiß der Kuckuck, wo er den feinen Draht für die acht Verbindungen hergezaubert hat, die sich zwischen den einzelnen Lücken der Blätter befinden. Mit einem Messer sind Spitzen oder, besser gesagt, Zacken in den oberen Rand geschnitten. Biegt man diese Pappen in einem Halbkreis nach außen und setzt sie in zwei Rillen, die wahrscheinlich mit einem abgebrochenen Seitengewehr, in einen größeren Feldstein geritzt wurden, ein, so hat man das schönste Rundpanorama vor Augen. Jeder Punkt ist anzuvisieren. Unter den Zacken der Karte sind außerdem rote, blaue und schwarze Namen eingezeichnet. So zeigen schwarze Gefahrenpunkte dicke Luft erster, rote zweiter und blaue dritter Klasse an. Aus Mainz stammt der Panoramakünstler. Ich stelle es durch eine Visitenkarte fest, die ihm wahrscheinlich beim Zurückkriechen aus dem Ärmelaufschlag gerutscht ist. Dr. phil. M. entziffere ich und bin etwas reichlich erstaunt, daß ein Dr. phil. sich hier draußen plötzlich als ein kleiner Moltke entpuppt. Noch etwas liegt im Graben. Ein Stück Papier, ein angefangener Brief. Es ist die gleiche Handschrift, und ich lese: „Mädel, herziges! Nun sind wir drei Monate an der Front, und ich habe noch immer keinen Brief von Dir erhalten. Hoffentlich steht ein Postwagen voller Nachrichten hinten, der mir nach meiner Ablösung auch von Dir einige Gramm Gedanken übermittelt. Eine Bitte habe ich an Dich: In der Eile habe ich vergessen, mein Studierzimmer in Ordnung zu bringen. Meine Mutter hat die Schlüssel in Verwahrung. Bitte, gehe doch einmal vorbei und lüfte die Zimmer und nimm es mir nicht übel, wenn ich einen Sonderwunsch dabei ausspreche. Laß keinen Gegenzug herein. Er könnte mir die gesamten Manuskriptblätter und Bücher, die ich für meine große Arbeit zusammengelegt habe, durcheinanderbringen. Und wenn Du ein Buch findest, das Dich interessiert und das Du gern lesen möchtest, bitte, leg es an den gleichen Platz, an dem Du es weggenommen hast, damit ich es wiederfinde und nicht erneut zu ordnen habe, wenn ich zurückkomme.“ Hier ist die Seite zu Ende. Auf der Rückseite aber steht ein Gedicht oder etwas, was ein solches werden sollte: Anders ist alles, Du bist nicht mehr Du, Das Leben ist schön, einmal heißt es von hinnen gehn, Weshalb erst warten, man ist nicht allein, Auch drüben sind welche, die mit Dir gehn. Die Waldlisiere ... da rechts fährt man auf, Visier 3000 ... wir halten drauf, was die Gurte geben, Bis der Lauf zerspringt, Bis alles um mich zu Boden sinkt. Ist dies die Ernte, oder ist es die Saat? Wie bin ich müde, ich junger Soldat.“ Da ich annehme, daß mein abgelöster Kamerad diese Zeilen nicht gern einbüßt, stecke ich die Sachen zu mir, um sie bei nächster Gelegenheit an die Adresse der Visitenkarte zur Absendung zu bringen. Er soll seine Freude und eine Erinnerung an diese Stunde haben, wenn er später wieder über seine Arbeit gebeugt im schönen Mainz sitzt. Mir hat er jedenfalls nicht zuviel gesagt, als er das Leben in diesem Graben mit einer Hölle verglich. Ein schweres Artillerieduell entwickelt sich wieder. Während unsere Geschosse immer weiter feindwärts greifen, legt der Gegner seine Projektile in das Hintergelände. Jetzt kann ich sogar über den Schützengraben blicken und im Vordergrund ein wunderhübsches Stück Gotteserde entdecken. Gärten, nichts als Gärten liegen unmittelbar vor unserer Front. Durch Naturhecken sind sie voneinander abgeteilt und nehmen sich wie ein Schachbrett aus, das der Herrgott hier zum Spiel geschaffen. Rechts und links von uns springt die Kampffront zurück. Ich stelle fest, daß wir gewissermaßen die Nase darstellen und sie ziemlich frech in feindliches Gelände stecken. Daß uns nur nicht aus den Gärten heraus einer den Zinken putzen wird. Mir wäre schon lieber, wenn hier die Verwüstung bei aller Schönheit, die von dem Leuchten der letzten Herbstblumen ausgeht, etwas weiter fortgeschritten wäre. Etwa 300 bis 350 Meter rechts im Gelände liegt ein Gehöft. Eine Anzahl zerschossener Mauern. Das Panorama nennt es Verbeke und die Höhen dahinter, die bewaldet sind, Nonneboschen. Was ganz weit hinten, es mögen drei Kilometer sein, noch zu sehen ist, heißt Zoonebeke. Ganz rechts, immer nehme ich mein Panorama zum Einfluchten zur Hand, steht, noch wenig zerschossen, der Polygon-Wald. Ganz links ein Schlößchen, dessen Türme friedlich hervorlugen, Veldhoek und der Herithage-Wald. Eine Gefechtskarte bringt man mir, ein Stück Papier, das ich sofort vernichten muß. Ich erfahre: das 3. Garde-Regiment zu Fuß hat unseren Anschluß rechts bis zum Polygon-Wald. Links bis etwa 100 Meter vor dem Ort Veldhoek liegen die Franzer. Eine breite Straße, die ich noch eingezeichnet finde, führt nach Hooge. Dieses Nest, dessen Dächer und Türme ich gerade noch erkennen kann, brennt an allen Ecken und Kanten. Unsere Artillerie hat dort den roten Hahn aufgesetzt, den Franzern und Augustanern die Möglichkeit gegeben, einen Angriff vorzutragen. Wie Indianer auf dem Kriegspfade es nie besser gekonnt haben, so nutzen die Berliner Jungen jede Bodenwelle aus. Sie kommen tatsächlich immer weiter vorwärts. Jetzt sind die ersten schon in dem brennenden Dorfe angelangt, und mit Hurra springen auch die anderen aus ihrer letzten Furche und setzen Druck hinter die fliehenden Franzosen. Ich bin so begeistert von dem Geschehen, daß ich völlig die Gefährlichkeit meines Postens vergesse. Erst als mich ein Kamerad blitzschnell herunterzieht und im gleichen Augenblick von einem hinter mir in die Grabenwand einschlagenden Infanteriegeschoß uns der Dreck um die Ohren fliegt, bin ich wieder die Vorsicht selber. Überdies brennt der letzte schäbige Rest von Veldhoek noch immer. Frieren werden die Franzer nicht, die dem Geprassel am nächsten liegen. Aber auch die anderen haben alle Hände voll zu tun, da gerade jetzt dort ein Angriff der Engländer erfolgt. Wir können nicht helfen, liegen wir doch im Flankenfeuer schwerer Artillerie, die uns aus dem Polygon-Walde befunkt. Wenn wir wenigstens noch auf Infanterie schießen könnten! Es ist aber keine im Vorgelände zu sehen und auch auf den Punkt, von dem aus der Scharfschütze funkte, noch einmal zu halten, lohnt nicht mehr, da dort endgültig Ruhe eingetreten ist. Der Tag vergeht auch, ohne einen weiteren Schuß von dort zu hören.Beim Befehlsempfang erhalten wir ein versiegeltes Kuvert. Es ist namentlich an die einzelnen Führer des vorderen Frontabschnittes gerichtet. Kunststück, daß wir bald heraushaben, was darinnen steht. Also ... am nächsten Vormittag 10 Uhr ist nunmehr Generalangriff der ganzen deutschen Front befohlen. Der Vermerk, auf Verluste keine Rücksicht zu nehmen, ist auch noch dabei. Es wird also doch Holzkreuze und keine Spangen vor Ypern geben. Gott sei Dank. Ich bin froh, daß mich in den nächsten Stunden keiner mit seiner Quasselei belästigt und daß die Nacht mit Patrouillengängen ausgefüllt wird. Gegen Morgen schlafe ich sogar ein und vergesse den Sturm auf den Nonneboschen, der wohl für manchen der letzte sein wird. Meinen Kameraden geht es ähnlich wie mir. Nur die allerwenigsten geben den Kaffeeholern Briefe mit nach hinten. Es sind solche, die erschütternd wirken, sobald man auch nur ein paar Zeilen erhaschen kann. Die Stimmung aber ist trotzdem ausgezeichnet und hält auch an, als es gar nicht Tag werden will, wieder dichter Nebel alles einhüllt und herniederrieselnder Regen sogar bis auf die Haut durchsickert. Die Uhr aber geht weiter, und Tröster in der Spannung, in der jeder sich befindet, ist die Pfeife. Als ich frage, woher sie den Tabak haben, erfahre ich eine kuriose Geschichte. In Scheriabeke ist es gewesen. Einer hat ein Keilkissen einer Matratze, das mit Seegras gefüllt war, mitgehen heißen, um es als Sitzgelegenheit im Graben zu benutzen. Dazu ist es jedoch nicht gekommen! Kameraden wissen, in der Not frißt der Teufel Fliegen, und ein Soldat raucht in gleicher Lage sogar Seegras. Schneller als der Wind spricht sich so etwas herum. Es hat kaum eine Stunde gedauert, bis das Gras, klein geschnitten, als Marke Wald- und Wiesenmischung sich über den ganzen Abschnitt verteilte. Für mich als Nichtraucher ist dieser Qualm direkt lebensgefährlich. Als ich nach der Ablösung in meinen Unterstand komme, stinkt es wie die Pest darin und verschlägt mir augenblicklich den Atem. Die Insassen aber sind stillvergnügt und fröhlich, können natürlich ihre Schnauzen nicht halten. Wo wurde nicht gefrozzelt an der deutschen Front, sobald sich ein Anlaß dazu fand. Ich schweige mich jedoch aus. Mir genügt es, die Gesichter zu sehen, die ich beneide, weil sie es fertig bringen, ihre Sorgen mit Seegras zu verpaffen. Mit dem Steigen der ersten Sonnenwärme ist der Nebel verschwunden. Das Artilleriefeuer hat sich gleichzeitig zu einer Riesensymphonie gesteigert. Wir in der vorderen Linie bekommen jedoch das Allerwenigste davon ab, und nur hinter uns rast Welle auf Welle über das Gelände. Teilweise fallen ganze Breitseiten ins Hinterland, gleichen die aufspritzenden Fontänen der Aufschläge einem Vorhang, der alles, was weiter zurückliegt, von uns abschließen soll. Wer dies sieht, läßt trotzdem sein Pfeifchen nicht ausgehen. Immer wieder schauen sie in die Augen jener Kameraden, die noch so glücklich sind, eine Taschenuhr zu besitzen. Eine Stunde noch, dann kann der Tanz beginnen. Möge der Herrgott uns gnädig sein und ... Eine Achselklappe haben sie des Nachts einem Engländer abgeschnitten. Der Major, der sie in der Hand hielt, sagte, es seien Engländer, Kameruner, die vor uns liegen. Daß dies nicht stimmt, weiß keiner besser als der Hannoveraner, der diese Achselklappe eroberte und nur auf Grund seiner guten englischen Aussprache den Tommy überlistete. Seine Eltern waren verbissene Welfen und haben alle ihre Töchter nach England verheiratet. Unser Hannoveraner selbst hat sogar in diesem Frühjahr noch auf einem Landgut in Schottland längere Wochen geweilt und sich ernstlich mit dem Gedanken getragen, für immer nach England zu gehen. Einer seiner Vettern, mit dem ihn besonders gute Freundschaft verbindet, ist Leutnant bei den Cameroon Highlanders. Nur um diese Truppe kann es sich handeln. Sie gehört zur 1. englischen Gardedivision, und damit weiß jeder von uns, daß wir den besten englischen Soldaten gegenüberliegen und keinen Negern, wie wir zuerst annehmen mußten. Die Garde zweier Weltreiche steht also gegeneinander. Nun, ich muß schon sagen, die Oberste Heeresleitung hat diesmal eine feine Nase gehabt, gerade diesen alten Regimentern zu befehlen, die Klinge miteinander zu kreuzen. Leider sieht es bei uns gar nicht nach Elite aus. Unsere Lumpen kleben, immer noch völlig naß, an den ausgemergelten Schlottergestalten. Bei mir kommt noch hinzu, daß ich zur 4. Kompanie gekommen bin, obgleich ich doch zur 9. gehöre. Aber die war nirgends zu finden, und der Major des 2. Bataillons hat uns einfach eingereiht, als wir uns von Langemarck „zurückgemeldet“. Überdies glaubt er bis heute noch nicht, daß wir wirklich dabei waren. Er meint, er werde ja sehen, ob wir in der 4. genau so gut singen könnten wie nebenan in Flandern. „Der kann uns kreuzweise ...“, zwitscherte ein junger Frankfurter Kamerad, und ich und die anderen denken ungefähr in der gleichen Richtung, wie Götz von Berlichingens Landsmann es soeben zwischen den Zähnen hervorgequetscht. Über den ganzen Gräben liegt jetzt schon ein feiner, leichter Hauch der Pfeifeschmauchenden. Einer dieser tollen Kerle hat bei der Feldküche einen Schärfestahl geklaut, und mit dem Ding wetzen sie jetzt einer nach dem anderen ihre Seitengewehre. Ganz lustig geht das zu: „Du, komm einmal her, du bist doch Friseur, mach einmal die Nagelprobe“, so wird ein alter Landwehrmann, der einen weltberühmten Schönheitssalon in Berlin führt, gehänselt. Der aber erwidert schlagfertig: „Um jungen Laffen die große Fresse bis an die Ohren aufzuschneiden, dazu langt es schon.“ Ich kann sofort sehen, wie eine gute Antwort wirkt. Man ruft: „Gut gebrüllt, Löwe“, läßt aber für die Zukunft den Alten ungeschoren. Halb zehn. „Was ist denn bei den blöden Hunden da drüben los? Die schießen ja mit Stinkbomben“, schreit es von rechts. Tatsächlich muß etwas durchgesickert sein, daß wir angreifen wollen. Die Sorte Granaten kennen wir noch nicht. Bis zum Himmel tanzt der Sand im Vor- und Rückgelände, richtige grüne Blitze sind dazwischen, und stinken tut es, na ... nicht von Pappe, diese neuen englischen Lydditgranaten! Unsere Artillerie hat Akkordarbeit angesetzt. Das pfeift und rollt und knallt und bullert nur so in den Lüften. Dem Gegner bleibt darüber die Spucke weg. Es ist ein Viertel vor zehn. Wir sind obenauf mit unseren Sturm- und Dranggefühlen. 9.50 Uhr. „Nach links weitersagen: Mantel rollen und jeder zehnte Mann eine Rolle Stacheldraht auf dem Tornister mit nach vorn nehmen“, kommt es durch die Reihen geflüstert. Ein schöner Befehl ... für hinten! Hier vorn gibt es keine Zahlen mehr. Hier sind alles Gruppen und Grüppchen, Kameradschaften, die irgendwo schon einmal in der dicksten Marmelade saßen und nun auch heute wieder in den letzten Minuten beisammenhocken wollen. Also muß ich bestimmen, wer Stacheldraht zu tragen hat. Der Hannoveraner will selbst. Der Berliner nimmt, der Sachse auch. Na also, in meinem Zuge ist alles in schönster Ordnung. Nur die Schere sehe ich nicht. Als ich danach frage, meldet sich der Berliner „Schönheitssalonbesitzer“. Man hat ihm das Ding an sein Koppel gezaubert, als er gerade einen stillen Winkel aufgesucht, sich diebisch darüber gefreut, daß er nun sogar sein Zunft- und Innungszeichen vor dem Feinde tragen darf. Auch könne keiner so gut mit einem solchen Stahlinstrument umgehen, grienen sie, wie er, der früher damit Haare und jetzt Pickel und Mitesser schneide. 9.55 Uhr. Mit wenigen Griffen schieben sich die Schuppenketten unter das Kinn, der Sitz des Seitengewehres wird noch einmal nachgeprüft, und Kutzke steckt sogar den geklauten Schärfestahl in den Schaft seines linken Stiefels. „Man kann nie wissen, wozu ik det Ding noch mal jebrauchen kann“, flüstert er mir zu, als ich ihm mit einem Kopfnicken andeute, dieses Stück Eisen doch lieber im Graben zurückzulassen. 9.57 Uhr. Die Pfeifen werden ausgeklopft und irgendwo im Anzug verstaut. Zwei Brüder, schöne, große, blauäugige Friesen aus Norderney, geben sich noch rasch und verstohlen einen letzten Kuß auf die Lippen. Wer allerdings nicht so tief veranlagt ist, wechselt noch einen Blick oder Händedruck mit dem ihm nächsten Kameraden, einige bewegen die Lippen kaum merklich für den anderen und sprechen ein Gebet. Punkt 10 Uhr. Als erster springt bei der Nachbarkompanie ein junger Hauptmann aus dem Graben. Nur Bruchteile einer Sekunde, die er voraus ist! Ein wunderbarer Ansporn, gerade im Moment der größten Gefahr unsere Führer im Sturm vorn zu wissen. Jetzt kennt jeder nur einen Ehrgeiz: vor ihm am Feinde zu sein! Es ist so etwas wie ein Rausch über uns gekommen, für den wir später keine Erklärung finden. Es wird aber wohl so sein, daß man in allen wichtigen Augenblicken seines Lebens ein Vorbild, einen Führer braucht, der den verfluchten Schweinehund in uns niederhält. Noch im Schwung des ersten Sprunges wirft der Tapfere plötzlich die Hände in die Luft. Kopfschuß, denkt man und ist beinahe neidisch, wenn einer einen solchen herrlichen Soldatentod vor dem Feinde gefunden hat. „Haste den Schuldirektor gesehen?“ flüstert Weiblinger, ein Schwabe, mir zu, als wir in einer lächerlich schmalen Mulde eine Verschnaufpause machen. „Er war bei uns noch Oberlehrer in Stuttgart, als wir ausrückten, eine Seele von Mensch, zu dem alles in die Klasse wollte.“ Die ganze Front zeigt heute überhaupt eine „Beweglichkeit“, die der unserer ersten Kämpfe nichts nachsteht. Vor allem die Kriegsfreiwilligen und die alten Landwehrleute wollen zeigen, daß sie genau so gute Soldaten sind wie wir alten; wenn auch die Lungen japsen und pfeifen, alles ist dabei und bildet eine Angriffslinie, wie sie der Kommandierende General des Gardekorps in Döberitz nie schöner gesehen hat. Der Leutnant eines Nebenzuges hat doch tatsächlich den Säbel in der Rechten. Wenn das mal gut geht. Ein Gewehr ist besser ... nicht einmal der Revolver taugt jetzt etwas, wo Mann gegen mann gekämpft wird. An einem deutschen Maschinengewehr sind sie scheinbar blödsinnig geworden. Deren Uhr scheint falsch zu gehen. Immer noch grasen sie das Gelände ab und begreifen nicht, daß sie ihr Feuer weiter nach vorn legen müssen. Wir können nicht weiter, es sei denn, wir hätten die Absicht, im eigenen Feuer zu verrecken. Endlich! Die anderen sind schon im ersten englischen Graben angelangt. Was sich dort widersetzt, wird niedergemacht. Zum zweiten Graben stoßen wir durch. Auch hier ein tolles Gemetzel. Aber wir schaffen es. Im Graben ist es besser als draußen. Die Engländer schießen aus ihren Rohren, was diese nur herhalten wollen. Hunderte von Maschinengewehren geben von unserer Seite das Echo dazu. Es ist ein richtiger Hexensabbat, in den wir geraten sind, der jedoch plötzlich aufhört, als man feststellt, daß die Besatzungen der dritten englischen Linie ... fliehen. Hurra ... Hurra ... Rechts, wo es etwas zu stocken schien, geht es jetzt auch wieder weiter. Es muß doch in dem Feldgeschrei der siegbewußten Deutschen etwas liegen, was auch die Engländer auf die Dauer nicht vertragen können. Weshalb nur drängt alles nach links??? Dort sind doch die Franzer im Angriff. Es ist zum Verzweifeln, es darf doch keine Lücke geben. Wir müssen doch Anschluß halten. „Hinlegen, hinlegen“, brülle ich. Aber die Jungen und Alten laufen mit ihren blitzenden Seitengewehren nach vorn, als ob sie von einer Tarantel gestochen wären. Aha ... das weiße Schloß im Herithagewald ist die Richtung. Schön. Allein kann ich nichts gegen die Massenpsychose ausrichten. Damit ich nicht krebse, auf und mit hinein in das Gewummer ... Merkwürdige Stauden haben sie um das Schloß gepflanzt, lederartige Blätter tragen sie, wie in Italien die Rhododendrongebüsche. Sie lassen uns nicht weiterkommen. Vielleicht ist irgendwo ein Durchschlupf, um drunter hinwegzukriechen. Scheibenkleister. Es geht nicht. Ich bleibe liegen. Donnerwetter, sind wir Schuster. Da drüben haben die Unseren schon den Rand des Nonneboschen genommen. Ihr Hurra hängt noch dünn in der Luft. Bei einer dieser blöden Fermen, einer Anzahl sich zusammenkuschelnder Häuser, „steht“ allerdings der Kampf. Ich sehe, wie Truppen von uns sich dort eingraben und keinerlei Rücksicht auf das tollste Artilleriefeuer nehmen, das ihnen von rechts, vom Polygonwald aus zugedacht wird. Was sie nicht mehr abbekommen, saust uns um die Köpfe. Aber ... Verdammter Mist. Ausgerechnet jetzt im Liegen reißt mir die Schuppenkette. Das Stück, was ich in der Hand habe, ist so brüchig durch den vielen Schweiß geworden, der wohl nicht nur von mir allein, sondern auch von demjenigen stammen wird, der vor mir dieses „Zündhütchen“ getragen hat. Nebenan liegen Tote. Ob ich versuche heranzukommen? Quatsch. Bei jedem leisen Rühren befunkt mich so ein Kerl, der irgendwo im Schlosse an einem Fenster oder einer Kellerluke hocken mag und wegnimmt, was ihn gefährden könnte. Also mache ich gar nichts. Auch stört schließlich der Deckel nur und hält doch keine Kugel auf, wenn sie mir zugedacht sein sollte. Ich werde also versuchen, mit bloßem Kopfe weiterzukommen. Weiter schleichen die Minuten. Schon denke ich, wir sind abgeschnitten, da kommen dünne Linien der Franzer und der Maikäfer zur Verstärkung heran. Um mich wird es lebendig, denn sie haben auch das schwerste englische Artilleriefeuer als Begleitung mir auf den Hals geladen. „Auf die Dauer hält das kein Schwein aus“, sagt ein Holsteiner zu mir. Wir müssen sehen, von diesen verdammten Büschen wegzukommen, und einen Graben schnappen. Schön. Also: „Sprung auf, marsch, marsch.“ Mit mir springen mehr, als ich vermutet habe. Es gelingt tatsächlich, Deckung ohne größere Verluste in einem halb eingeschossenen Grabenreste zu finden. Jetzt knallen wir wieder dazwischen. Auch einen Helm finde ich. Er sitzt mir zwar auf den Ohren, aber er ist doch recht gut zu gebrauchen, da er mich vor dem aufkommenden Sturme in den Lüften schützt, der mir immer wieder beim Zielen die Loden in die Augen weht. Schließlich ist es ja kein Wunder, daß außer den Barthaaren auch die auf dem Kopfe wachsen. Manche meiner Kameraden haben zwar schon eine lichte Glatze. Ich aber bin noch immer reichlich mit einem Polster auf dem Kopfe versehen, um das mich viele andere beneiden. Da hämmert es vom Park her, den wir eben verlassen haben, nach vorn. Donnerwetter, sollten das unsere Maschinengewehre schon sein? Tatsächlich. Hinten reißen die Engländer in Gruppen aus, und unsere Spechte sitzen dazwischen, daß es nur so flutscht. Also raus aus dem Loch und dorthin, wo es vorwärts geht. Alle halten mich sicher für verrückt, als ich das Kommando dazu gebe. Wie ich ihnen aber erkläre, daß man in vorderster Linie dicht am Feind am sichersten vor dem Granatenhagel ist, sind sie doch froh, mir folgen zu können. Nach und nach ist wieder alles in einer Linie versammelt. Hinter uns jedoch ist Luft ... ein großer Haufen Nichts. Luft ... sonst nichts. Keine Verstärkung kommt. Das sieht sehr böse aus. Der Engländer ist doch ein verdammt zäher Kerl. War schon der Kampf in den Gräben sehr schwer, so wird mir jetzt klar, daß er unsere Lage erkannt und einen Angriff plant, der, falls er bis zu uns gelangt ... das letzte teure Verkaufen des eigenen Lebens bedeuten wird. Noch gefährdeter als wir sind die Maschinengewehre. Also hin zu ihnen und versuchen, sie für die Front zu erhalten. Ein Hauptmann ist dort. Er brüllt mich an, was ich denn als Füsilier hier wolle, ob wir schon eingesetzt seien und wo die Kompanie läge. „Ich weiß es nicht!“ Das verbittert ihn richtig. Ein Hoffnungsstrahl, der Einsatz der Füsiliere, ist für ihn zunichte geworden. Die Lage wird immer schlimmer für uns. Genau so gut wie wir uns nach vorn gearbeitet haben, springen jetzt auch die Engländer nach vorn und wollen das Verlorene wiedergewinnen. „Wer traut sich nach hinten Meldung zu machen?“ brüllt der Hauptmann von den Maschinengewehren. Drei Mann melden sich. Wir gehen getrennt nach rückwärts los, jeder mit demselben Bericht belastet, daß sechs Maschinengewehre am Park vorhanden, aber jede Verbindung nach rückwärts abgerissen ist. Auch seien fünf Offiziere gefallen und es wäre gut zu wissen, wo das 2. Bataillon, die Füsiliere und das 3. Garderegiment geblieben sind. Als ich die Meldung dem Kommandeur bringe, ist einer schon vor mir eingetroffen. Er hat sterbend seine Meldung noch abgegeben, so daß ich sie nur noch zu ergänzen brauche. Ich werde schon bald wieder losgeschickt. Allerdings nicht in die alte Richtung, sondern zum Nonneboschen. Dort soll ich sehen, was erreicht ist. Also erneut durch das Feuer. Reiner Mordsdusel, kein Heldenmut, den Rand des Nonneboschen glücklich zu erreichen und darin verschwinden zu können. Gräßlich sieht es hier aus. Ich will nicht rechts und links blicken, wo Tote, Tote und immer wieder Tote liegen. Schotten mit Graukitteln dazwischen. Keiner hat Pardon gegegeben. Als Verwundete haben sie sich noch gegenseitig umgelegt. Vorwärts, nur vorwärts und deine Aufgabe erst erledigen! Diesmal will ich nicht wieder der zweite sein, der mit seiner Meldung eintrudelt. Kugeln ... Maschinengewehrkugeln pfeifen wie Hummelschwärme im Gelände. Die singen, sind vorbei. Das weiß ich längst. Die aber erst zwitschern, wenn sie durch einen hindurchgehen, die werden vielleicht gerade in die Gurte geschoben. Plötzlich fällt mir ein, daß ich überhaupt kein Gewehr mitgenommen habe. Das gibt fünf Tage „Mittel“, wenn es einer sieht. Das muß so sein. Leute, die unverwundet im Gelände ohne Waffe angetroffen werden, müssen gesammelt und zurückgebracht werden. Sie gehören meist zur Klasse der Drückeberger. Man könnte einwenden, daß sich ja jeder sofort damit verteidigen kann, er sei Gefechtsordonnanz und müsse mach rückwärts oder auch vorwärts zur Front. Diese Tour haben aber zu viele herausgebracht und sich auf diese Art gedrückt, das heißt sie haben einen neuen Trichter gesucht, dort, so gut es ging, gewartet, bis die Schlacht geschlagen war, in der Nacht aber fanden sie sich wieder ein und erzählten dann Heldengeschichten ... Also Knarre suchen, eine, die noch in Ordnung ist, und dann weiter. Einer von der 4. Kompanie liegt da, dem ich sein Schießeisen aus der Hand nehme. Donnerwetter ... 4. Kompanie ... denke ich, wie kommt denn die hierher? Da wird mir klar, daß einige vielleicht während des Angriffes nach rechts gedrängt wurden, während wir nach links auf das Schlößchen zu liefen. „Hallo, hallo ...“ Also doch noch Lebende hier, die mich anrufen können. In einem großen, alten deutschen Trichter liegen gegen zwanzig Mann vom ersten Hieb, lauter Schwerverwundete, und gegen fünfzig Gefangene, Engländer. Ein Unteroffizier ist als Wache dabei. Sie warten nur, bis sie den Befehl erhalten, nach rückwärts zu gehen. Auch mein Sachsen-Berger ist dabei. Brustschuß und schon verbunden. Was mich besonders freut ist, daß er noch sprechen kann und mir etwas erzählen will. „Später“, kann ich ihm nur zurufen, denn ich muß weiter, um Meldung zu machen. Hunderte von Schotten liegen tot im Walde, aber auch andere Regimenter sind am Kampfe beteiligt gewesen, die nun mit glasigen Augen in den Himmel schauen. Endlich eine dünne, allzu dünne Linie. Sie liegt kurz vor dem letzten Drittel des Waldes und geht gerade wieder mit Hurra vor, um auch das letzte Stück zu besetzen. Heran zu ihnen! „Wer ist hier der Führer“, frage ich. Keiner gibt Antwort, endlich ein Gefreiter: „Die sind alle tot, auch alle Unteroffiziere sind gefallen.“ Schon drehe ich zum Rückweg ab, da ruft noch einer: „Bringt bloß bald Verstärkung heran, wir können hier nicht mehr lange allein alles halten.“ „Wird gemacht“, schreie ich, und los geht’s zurück in das Trichtergelände. Unterwegs treffe ich die Besatzung aus dem Loche mit den Engländern. Berger hängt in einer Zeltplane. Brockenweise höre ich Einzelheiten aus dem Gefecht. Keiner hat Gefangene machen wollen. Das Schlimmste aber war das mit dem Hannoveraner. „Was denn“, frage ich, „mit welchem Hannoveraner?“ „Mit unserem. Er ist tot!“ „So ... tot!“ Hab’ ich das gesprochen? Ich weiß es wirklich nicht, es sind so viele Leute gefallen. Das Eliteregiment der Deutschen ist nicht mehr, denke ich. Berger dann weiter: „Du, das darf nicht vergessen werden.“ „Was denn?“ „Das von dem Hannoveraner, es war fürchterlich.“ Stockend, Satz um Satz, höre ich dann wohl die grauenhafte Geschichte, die mir selbst nach den furchtbaren Kämpfen dieses halben Jahres noch einen Schauer den Rücken herunterlaufen läßt ... „Mit dem Spaten sind wir sogar losgegangen ... wir haben es ihnen gegeben ... der Hannoveraner hat seinen Stacheldraht in der einen Hand mitgeschleppt ... da ist er auf einen Leutnant von den Schotten gestoßen ... sahen sich merkwürdig ähnlich die beiden ... zuerst standen sie sich wie angewurzel gegenüber ... ganz blaß ... und dann ... ich sag dir ... sie hatten beide schon ihre Schüsse im Leibe ... und trotzdem hat der Leutnant noch seinen Revolver hochgerissen ... aber der Hannoveraner ist doch schneller gewesen ... mit seinen letzten Kräften warf er dem anderen seinen Stacheldraht ins Gesicht.“ Berger schweigt eine Weile. Und jetzt sagt er noch viel leiser als vorher: „Denk dir, die beiden sind dann ... so zerschossen wie sie waren ... doch noch aufeinander zugekrochen ... etwas auf englisch haben sie miteinander gesprochen ... ganz ruhig ... so wie gute Freunde ... sich die Hände gegeben ... und so hab ich sie zuletzt noch liegen sehen.“ Und nach langer Pause: „ ... mit verschlungenen Händen ...“ Es ließ ihn nicht los ... ihn, der selbst vom Tode gezeichnet ist. „Mit verschlungenen Händen ... der Schottenleutnant und unser Hannoveraner ...“ Ich habe die beiden nicht gefunden. Sollte das Schicksal ausgerechnet zwischen so vielen Millionen Kämpfern hier zwei Verwandte zusammengeführt haben? Zu dumm, daß der Berger gerade mir dies erzählt, aber es muß wohl so sein ... das Leben ist ein besserer Geschichtenschreiber als alle Dichter zusammengenommen. Hinter mir ist tolles Schießen. Ob die Engländer angreifen? Nein. Es sind nur Nester noch von Schotten im Gelände, wahrscheinlich wird irgendwo gesäubert und die Gräben blank gerichtet. Meine Meldung ist niederschmetternd. Man hat es schon geahnt, aber immer wieder ... fragt man mich, ob ich auch wirklich bis „vorn“ gewesen wäre. „Das kann doch nicht sein, das kann doch nicht sein“, schreit der Kommandeur, und immer wieder: „Das kann doch nicht sein!“ Da kommen neue Hiobsbotschaften von vorn. Die Leib- und 3. Kompanie seien im Nonneboschen umzingelt und, was nicht gefangen wurde, niedergemetzelt worden. Vier Regimenter gegen die Reste der beiden Kompanien haben die Gegner angesetzt. Wahrlich, ihr Braven da vorn, ihr habt euch teuer verkauft. Nur wenige Verwundete sind sonst noch gefangen worden, berichten die nächsten Gefechtsordonnanzen. Wir denken plötzlich an den Spruch: „Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht.“ Das ist auch heute unser unbefleckter Wahlspruch geblieben. Ich bin nun doch wieder auf Tour. Diesmal mit einigen Leuten nach vorn in den zweiten Graben beim Park. Denn der Kommandeur meint, jedes Gewehr vorn ist jetzt vonnöten. Also los und ... Der Graben ist ganz dünn besetzt. Bei uns liegt ein Maschinengewehr; wo die anderen geblieben sind, kann ich nicht mehr feststellen. Ein Feldwebel der Heufresser mit dem E.K. I kommt an und sagt, daß er hier das Kommando führe. Bei mir bleibt er stehen und redet mich an: „Was will denn der Lackscheißer hier?“ Als ich ihm erzähle, wie es drüben aussieht, da schaut er weg von mir, und ich sehe, wie in seinen Augen Tränen schimmern. „Die gottverdammten Hunde, die Engländer. Gnade ihnen, wenn wir Verstärkung erhalten.“ Draußen ist es fast Nacht geworden. Ein schweres Gewitter steht am Himmel und kann jeden Augenblick losbrechen. „Ist das nun gut oder schlecht für uns“, will einer der jüngsten Krieger von mir wissen. Der Junge ist kaum achtzehn Jahre alt. Wie soll dessen Leben einmal weitergehen, wenn kein Krieg mehr ist, denke ich. Da schlägt auch schon der Blitz vor uns in einen Baumstumpf ein und schickt uns für fast zwanzig Minuten eine Fackel, die wir gar nicht gebrauchen können. Ein Glück, daß toller Regen und Schneegemisch, mit eisigem Westwind verbunden, dazukommen. Immer höher steigt das Wasser in den Gräben ... verdammte Sauerei ... Wenn doch der Engländer endlich im Vorgelände das Maschinengewehrfeuer und den Granatenhagel einstellen wollte. Es liegen doch auch viele verwundete Kameraden von ihm dort. Wir hören nur zu gut zwischen dem Donner die Worte „Mämmaa“, „Water“, „Sanitäät“ rufen. Aber auch unseren Verwundeten könne wir keine Hilfe bringen, solange die da drüben noch funken. Wohl versuchen einige Sanitäter, an die ersten vor uns heranzukommen. Rettung ist aber nur in verschwindend kleiner Zahl möglich. Auch sind schon in kurzer Zeit allein in unserem Abschnitt acht Hilfsmannschaften schwer verwundet und drei getötet worden. Ein Ruf, der noch viele Stunden in dieser Nacht uns nicht zur Ruhe kommen läßt, hallt immer schauriger in das Wüten der Elemente: „Schießt mich doch tot, schießt mich doch tot, habt doch Erbarmen, schießt mich doch tot ...“, kostet uns viele neue Verwundete. Wir haben alle versucht, ihn zu finden, und konnten ihm doch keine Hilfe bringen, ehe das letzte Röcheln langsam erstarb. Das Friedensregiment von Potsdam ist auf dem Felde bei Ypern in seinen letzten Resten geblieben. Recht hatte der Tübinger Student gehabt, der am frühen Morgen enpfahl, Holzkreuze statt Gefechtsschnallen zu empfangen. Was wird nun kommen, nachdem fast alle meine Kameraden auf dem grünen Rasen schlummern? Ist auch unsere Leidenszeit bald vorüber? „In vier Wochen sind wir in Paris, und Weihnachten ist Frieden“, hat manch einer gesagt, der längst schon die lange Reise angetreten. Nur eine einzige Nacht wie diese ... ihr Großen dieser Welt ... solltet ihr miterleben. Nie wieder würden Menschen Waffen gegeneinander erheben, nie ... nie wieder ... nie ... Das Wort Ypern aber brauchen wir nicht mehr auf der Brust zu tragen. Bis zum letzten Atemzuge brennt es unauslöschlich uns im Herzen. Die es nicht miterlebt, sollen es aber wissen, welche Hölle wir durchschritten. Die neben uns fielen, haben wohl das bessere Schicksal zugeteilt erhalten, haben vergessen können, da sie siegend starben, während wir anderen die Erinnerung an jene Stunden durch ein Leben schleppen müssen.“

11.11.1914:

Garde-Gren.Regt.4: [4.Garde-Inf.Brig./Garde-Div.Winckler/Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] „Regiment Franz stieß bis Schloß Veldhoek vor, sah sich durch englische Gegen- und Umfassungsstöße in den dichten Waldungen und Parkanlagen festgehalten. Links von ihm rang im Herenthage-Wald Regiment Augusta.“


12.11.1914:

Kps.Plettenberg: [Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] „Das Korps Plettenberg auf dem rechten Flügel der 6. Armee war nach den großen Verlusten des Vortages nicht mehr zu großen Anstrengungen befähigt und machte keine wesentlichen Fortschritte.“

12.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: [1.Garde-Inf.Brig./Garde-Div.Winckler/Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] „Der 12. November verlief außer lebhaftem Artilleriefeuer ruhig. Die Verbände wurden notdürftig geordnet, Verbindungen hergestellt. Leute, die zu anderen Truppenteilen abgekommen waren, fanden sich wieder ein. Da Hptm. v. Weiher schwer an Gelenkrheumatismus erkrankte, übernahm Feldwebel Mazur die Kompagnien vom I., Lt. d. L. Lauk die vom II. Batl. Die Verluste der beiden Grenadier-Bataillone am gestrigen Tagen waren schwer. Von den Vermißten konnte es zum Teil erst viel später festgestellt werden, daß sie gefallen seien. An Offizieren fielen aus: Gefallen: Hptm. v. Stutterheim, II., Hptm. v. Hahnke, Lb., Hptm v. Helldorff, 6., Oblt. v. Busse, M.G.K., Oblt. d. R. v. Dobbeler, 7., Lt. v. Kettler, Adj. II., Lt. d. R. Bartels, Lt. d. R. Rosenstiel. - Verwundet: Hptm. v. Moltke, 5., Lt. v. Kleist, 8., Lt. d. R. v. Trotha, 4., Lt. d. R. Wolterstorff, Lt. d. R. Kunkel, Lt. d. R. Burichter, Fwlt. Schwarz (gefangen). - Krank: Hptm. v. Weiher, 2., Lt. v. Lochow. Die Verluste an Mannschaften stellten sich wohl an 800 Mann.“


14.11.1914:

Garde-Div.Winckler: [Kps.Plettenberg/Arm.Gr.Linsingen/6.Armee/OHL] „Am gleichen Tage vervollständigte die 4. Garde-Infanterie-Brigade den Erfolg vom 11. dadurch, daß sie sich unter heftigem Kampf gegen englische Baumschützen in den Besitz des ganzen Herenthage-Waldes setzte.“

14.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: Personalien: Major von Bismarck wird Regimentsführer des 1.Garde-Regt.z.F.

14.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: „Auch am 14. November blieb das Wetter weiter schlecht. In den Gräben wurden notdürftige Deckungen gegen Wetter und Beschuß eingebaut. Der Stab erhielt ein zwar lichtloses, aber trockenes Erdloch. Major Graf Merveldt traf aus der Heimat ein, übernahm das Füs., erkrankte aber wieder und mußte durch Hptm. v. Schilling ersetzt werden. Hptm. v. Lindeiner, 11., bekommt einen Mundschuß, Oblt. d. R. Lühr einen Handschuß. General v. Kleist wurde zum Führer der 51. R.D. ernannt. Der bisherige Regimentskommandeur, Eitel Friedrich, Prinz von Preußen, wurde mit der Führung der 1. G.I.B. beauftragt. Schwersten Herzens dem unerbittlichen Befehl des Allerhöchsten Kriegsherrn folgend, übergab er die Führung seines heißgeliebten Regiments, mit dem er seit seiner Jugend verbunden war und nun in dem großen Ringen der letzten Monde Freude und Leid, Regen und Sonnenschein geteilt hatte, an Major v. Bismarck. Die Offizierstellenbesetzung wurde jetzt folgendermaßen geregelt: Regimentsstab: Kdr. Major v. Bismarck, Adj. Lt. Graf Matuschka; Grenadier-Bataillon: Stab: Maj. v. Goerne, Adj. Lt. v. Werder, Verpfl. Lt. d. R. Wuthe; Komp. I. Batl. Feldw. Mazur; Komp. II. Batl. Lt. d. L. Lauk (Verpfl.Off. II. Batl.); Füsilier-Bataillon: Hptm. v. Schilling; 9., Vfw. Koch; 10., Lt. d. R. v. Ditfurth; 11. Vfw. d. L. Knappig; 12. Lt. d. R. de Martincourt; M.G. Vfw. d. R. Rittner. Bei Regen und Schnee vergehen die kommenden Tage ohne besondere Vorgänge.“


15.11.1914:

1.Garde-Regt.z.F.: „15. November: Aus den Teilgräben wird allmählich eine Stellung. An der Ecke des Herithage-Waldes wird vorsappiert. Abends löst Batl. Goerne 9. u. 11. ab, die bei Gheluvelt unterkriechen. Es werden immer noch Verwundete geborgen!“



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